ArchivDeutsches Ärzteblatt50/1998Modafinil: Neue Therapieoption bei Narkolepsie

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Modafinil: Neue Therapieoption bei Narkolepsie

Dtsch Arztebl 1998; 95(50): A-3230 / B-2730 / C-2538

EB

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LNSLNS Bei der Narkolepsie handelt es sich um eine chronische neurologische Erkrankung mit gestörtem Wach-Schlaf-Rhythmus. Kennzeichnend ist die extreme Tagesschläfrigkeit, die sich in häufigen, abrupt einsetzenden Schlafanfällen äußert. Die genaue Ursache ist bisher unbekannt. Die Narkolepsie kann zwar durch Enzephalitiden ausgelöst werden. Meist handelt es sich jedoch um eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung mit geringer Penetration, die durch vier Hauptsymptome geprägt ist:
l Tagesschläfrigkeit,
l kataplektische Attakken (Anfälle von Muskelschwäche, meist in Verbindung mit plötzlichen emotionalen Reaktionen),
l Schlafparalyse (während des Einschlafens oder Aufwachens eintretender Tonusverlust) und l hypnagoge Phänomene (meist beim Einschlafen auftretende akustische und optische Halluzinationen).
Die Mehrzahl der Patienten benötigt Medikamente gegen Schlafanfälle und Kataplexie. Dabei kommen stimulierende Substanzen wie Amphetamin oder Methylphenidat zum Einsatz, die die Tagesmüdigkeit beheben. Nachteilig sind allerdings die mögliche Toleranzentwicklung bei bis zu einem Drittel der Patienten und das Abhängigkeitspotential. Gegen die Kataplexie werden trizyklische Antidepressiva, La, MAO-Hemmer oder die neueren selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingesetzt. Modafinil, ein Benzhydrylsulfinylacetamin, ist eine neue vigilanzsteigernde Substanz, die sich chemisch und pharmakologisch von üblichen zentralstimulierenden Medikamenten abhebt. Der genaue Wirkmechanismus wurde bislang nicht geklärt. Zentrale noradrenerge Systeme werden nicht, dopaminerge und serotonerge Systeme nur bei extrem hohen Dosen beeinflußt. Für die Vigilanzsteigerung scheint eine reduzierte GABA-Freisetzung in mehreren Hirnregionen verantwortlich zu sein, die über eine spezifische Aktivitätspotenzierung alpha-l-adrenerger Rezeptoren vermittelt wird. Pharmakokinetische Studien belegen eine Dosislinearität von Modafinil zwischen 50 und 400 mg, das heißt, im therapeutischen Bereich. Der maximale Plasmaspiegel ist zwei bis drei Stunden nach oraler Gabe erreicht; die Eliminationshalbwertszeit liegt zwischen acht und zehn Stunden. Die Pharmakokinetik von Modafinil wird durch Nahrungsaufnahme nicht beeinflußt. Da bei Patienten mit Leber- und Niereninsuffizienz maximaler Plasmaspiegel und Halbwertszeit steigen, wird eine Dosishalbierung empfohlen.
Modafinil (Vigil®, Merckle) wurde zunächst in mehreren offenen Studien bei ambulanten Narkolepsie-Patienten evaluiert. Dabei wurden mit Dosen zwischen 200 bis 400 mg/Tag bei rund zwei Drittel der Studienteilnehmer gute bis sehr gute Behandlungsergebnisse erzielt. Unter der Therapie zeigte sich bei den Respondern in erster Linie eine ausgeprägte Abnahme der Tagesmüdigkeit. Vereinzelt wurde auch über eine Reduktion kataplektischer Anfälle berichtet, die sich aber in kontrollierten Studien nicht verifizieren ließ. EB
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