ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Krankenhausklima: „Lachen ist gesund“

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Krankenhausklima: „Lachen ist gesund“

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): [63]

Ollenschläger, Philipp

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Der Volksmund weiß, dass Lachen gesund ist. Doch viel zu häufig bleibt Humor im Krankenhaus auf der Strecke.

Foto: picture alliance
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Klinikärzte haben häufig das Problem, dass sie an sich selbst den Anspruch stellen, frei von Fehlern zu sein. Dies hat eine Studie ergeben, die das Marktforschungsinstitut Rheingold im Auftrag der Stiftung „Humor hilft Heilen“ durchgeführt hat. Oft befassen sich die Ärzte auch nach Feierabend mit der Frage, ob sie richtig gehandelt haben. Für sie sei es wichtig, Rückzugsräume zu haben, wo sie kurz innehalten und sich mit Kollegen austauschen können. Außerdem würde eine Aufweichung der strengen Klinikhierarchie dazu führen, dass Ärzte, Pflegekräfte und Patienten gemeinsam als Team kooperieren.

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Die Umfrage wurde durchgeführt, um besser zu verstehen, wie Krankenhäuser die beteiligten Menschen prägen und verändern. Im Zuge dessen wurden mit 120 Personen Interviews durchgeführt. Zu den Interviewten zählten Ärzte, Pflegekräfte und Patienten; dabei wurden ihre seelischen Prozesse und „Überlebensstrategien“ durchleuchtet. Aus den Erkenntnissen wurden Verbesserungsvorschläge für das Krankenhaus der Zukunft abgeleitet. Dr. med. Eckart von Hirschhausen – Arzt, Autor und Komiker in Personalunion und Gründer von „Humor hilft Heilen“ – fordert eine heilsamere Stimmung in Krankenhäusern.

Pflegekräfte neigen dazu, eine Überverantwortung für die Patienten zu entwickeln, heißt es in der Studie. Häufig falle es ihnen schwer, Patienten wieder los-, und in ein selbstbestimmtes Leben zu entlassen. Dies führe bei einigen Pflegerinnen und Pflegern zu starken Belastungen. Außerdem empfänden Angehörige der Pflegeberufe oftmals, dass ihre Arbeit zu wenig wertgeschätzt würde. Daraus resultiere in vielen Fällen ein Rückzug ins Privatleben. Für Pflegekräfte sei es wichtig, dass berufsübergreifende Teamsitzungen durchgeführt würden, die den Teamgeist auf den Stationen stärken. Des Weiteren sollte der Verwaltungsaufwand seitens der Pflegekräfte reduziert werden, damit sie sich wieder mehr den Patienten widmen können.

Patienten sehen das Krankenhaus oft als Schicksalsmühle, in der ihr bisheriges Leben auf den Kopf gestellt wird. „Häufig wird den Patienten nicht die Sinnhaftigkeit eines Vorganges erklärt“, was oftmals zu Unverständnis führe, so von Hirschhausen. Es sei wichtig, dass die Patienten genau wissen, was mit ihnen geschieht, da dies die Bereitschaft erhöhe, aktiv an der Genesung mitzuwirken. Hierfür müsse der Arzt eine für den Patienten gut verständliche Sprache verwenden. Außerdem dürfe Humor nicht zu kurz kommen: Gerade schambehaftete Situationen könne man so auffangen. „Stimmungen im Krankenhaus zu erfassen und professionell zu managen, ist genauso wichtig, wie Blutdruck und Fieber zu messen, um jemanden als geheilt entlassen zu können“, so von Hirschhausen.

Humor in Krankenhäusern habe nichts mit Witzen zu tun, fügte der Psychologe und Rheingold-Geschäftsführer Stephan Grünewald hinzu. Es gehe um eine warmherzige Haltung, die für eine entkrampfende Atmosphäre sorge.

Philipp Ollenschläger

@Informationen: www.humorhilftheilen.de

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