ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Grauer Star: Die Kataraktoperation ist ohne Ultraschall möglich

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Grauer Star: Die Kataraktoperation ist ohne Ultraschall möglich

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1970 / B-1740 / C-1702

Gerste, Ronald D.

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Die Operation des grauen Stars ohne Ultraschall war lange Zeit undenkbar: Bei der Phakoemulsifikation wird die Linse durch ein in die Vorderkammer eingebrachtes Instrument, den Phako-Tip, in kleine Fragmente zertrümmert. Sie werden abgesaugt, nach Säuberung der Vorderkammer des Auges wird eine Intraokularlinse eingesetzt. Aber die Applikation von Ultraschall im Auge ist nicht ohne Gefahrenpotenzial. Zu viel Ultraschallenergie kann die sensible, innerste Schicht der Hornhaut, das Endothel, schädigen oder zum zystoiden Makulaödem beitragen, der häufigsten Ursache von mangelnder Sehschärfe nach Kataraktoperation. Deshalb versuchen Ophthalmochirurgen, Dauer und Gesamtenergie des Ultraschalls während der Operation so gering wie möglich zu halten.

In einem Patientenkollektiv der Universitätsaugenklinik Bochum wurde jetzt bei mehr als 90 % der Operierten überhaupt kein Ultraschall mehr angewandt. Der Verzicht wurde möglich, weil die Zerlegung der Linse mit dem Femtosekundenlaser erfolgte und nur bei wenigen Patienten mit sehr hartem Linsenkern, typischerweise bei weit fortgeschrittenem grauem Star, eine Ultraschallanwendung mit minimaler Energie notwendig war.

Mit zunehmender operativer Erfahrung mit der neuen Technologie – der Femtosekundenlaser wurde erst 2009 in die Kataraktchirurgie eingeführt: zur Kapsulotomie und „Vorbehandlung“ der Linse – konnte immer häufiger ohne Ultraschall operiert werden.

In der Gruppe vom 200. bis zum 400. Patienten nach Einführung der neuen Laser-Technik wurde nur noch bei 59 % der Eingriffe Ultraschall mit geringer Energie benötigt, beim 1 200. bis 1 400. Patienten nur noch 9 %. Von den letzten hundert Patienten waren sogar 97 % ohne Ultraschall zu behandeln.

Fazit: Die Zerlegung der Linse mit dem Femtosekundenlaser galt bislang als Vorbehandlung zur Anwendung von Ultraschall. Mit „Zero Phako“, einer Kataraktoperation ohne die Notwendigkeit, Ultraschall im Auge anzuwenden, dürfte das Sicherheitsprofil des häufigsten chirurgischen Eingriffs, der in Deutschland pro Jahr circa 700 000 Mal vorgenommen wird, vor allem mit Blick auf Endothel und Makula noch besser werden, meint Klinikdirektor Prof. Dr. med. Burkhard Dick. Dr. med. Ronald D. Gerste

Dick HB, et al.: On the way to zero phaco. J Cataract Refract Surg. 2013 [Epub ahead of print] Jul 26. http://dx.doi.org/10.1016/j.jcrs.2013.07.002.

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