ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Überweisungs- und Lastschriftverkehr: Die kleine Revolution

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Überweisungs- und Lastschriftverkehr: Die kleine Revolution

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1982 / B-1750 / C-1714

Bandering, Michael

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Die neue Kontonummer („IBAN“) besteht aus 22 Stellen mit Landeskürzel, Prüfziffer, Bankleitzahl und bisheriger Kontonummer.
Die neue Kontonummer („IBAN“) besteht aus 22 Stellen mit Landeskürzel, Prüfziffer, Bankleitzahl und bisheriger Kontonummer.

Das neue SEPA-Verfahren muss auch den niedergelassenen Arzt interessieren.

Eine kleine Revolution im Überweisungs- und Lastschriftverkehr bringt dessen Umstellung auf das ab dem 1. Februar 2014 verpflichtende SEPA-System, das auch für die Arztpraxis einer Vorbereitung bedarf. Das SEPA-System („Single Euro Payments Area“) gilt gleichermaßen für Überweisungen und Lastschriften („SEPA-Zahlungen“) im EU-/EWR-Raum einschließlich Island, Liechtenstein, Schweiz, Norwegen, Monaco, soweit sie in Euro erfolgen. Es gilt jedoch nicht für den Zahlungsverkehr in Fremdwährung sowie in außereuropäische Länder; ebenfalls nicht für Eilüberweisungen. Der Scheckverkehr bleibt unangetastet.

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SEPA-Lastschriften

SEPA ersetzt das alte Abbuchungs-/Einzugsermächtigungsverfahren. Zu unterscheiden ist zwischen „Basis-Lastschrift“ und „Firmen-Lastschrift“. Beide Formen setzen ein schriftliches Lastschrift-Mandat voraus, das der Zahlungsempfänger dem Zahlungspflichtigen auszuhändigen hat. Das Originaldokument geht nach Unterschriftsleistung an den Zahlungsempfänger zurück. Der Zahlungspflichtige hat sein Kreditinstitut anzuweisen, von dem genau zu benennenden Zahlungsempfänger vorgelegte Lastschriften einzulösen. Der Zahlungsempfänger hat dem Arzt seine „Gläubiger-Identifikationsnummer“ mitzuteilen; sie ist auch Bestandteil des „Mandats“. Das Mandat erlischt automatisch 36 Monate nach der zuletzt vorgelegten Lastschrift.

Die neu geschaffene Basis-Lastschrift, die der alten entspricht, gesteht dem Arzt ein acht- (bislang sechs-)wöchiges Widerspruchsrecht zu, bei unberechtigten Lastschriften von 13 Monaten. Anders die Firmen-Lastschrift: Hier fällt das Acht-Wochen-Widerspruchsrecht völlig fort, nicht jedoch die 13-Monats-Frist.

Die neue Konto-/Identifikationsnummer („IBAN“) besteht in Deutschland aus 22 Stellen mit Landeskürzel („DE“), Prüfziffer, bereits bekannter Bankleitzahl (BLZ) sowie bisheriger Kontonummer. Besteht diese aus weniger als zehn Ziffern, ist der entstehende Leerraum durch der Kontonummer vorangestellte Nullen zu füllen. Lautet also beispielsweise die BLZ 760 100 85 und die Kontonummer 922 01 852, so ergibt sich daraus die zu verwendende IBAN: DE34760100850092201852.

Der „Business Identifier Code“ (BIC) ist nur für grenzüberschreitende Transaktionen hinaus vorgeschrieben. IBAN- und BIC-Angaben finden sich bereits seit geraumer Zeit auf den Kontoauszügen.

Für den Verwendungszweck sind nur maximal 140 (bislang 378) Zeichen (inklusive Leerstellen) zulässig; Umlaute sowie „ß“ sind durch AE . . ., SS zu ersetzen. Für einige Verwendungszwecke wurden Kürzel geschaffen: Lohn, Gehalt = SALA; Stromrechnung = ELEC; Wasserrechnung = WTER; Vermögenswirksame Leistungen = CBFF „XXI“/Vertragsnummer („XX“ wahlweise durch „00“ oder durch Prozentsatz der Sparzulage, „I“ durch letzte Ziffer des Jahres, wofür die Leistung gelten soll ersetzen).

Eine Arztpraxis wird von der Neuerung aktiv nur im Rahmen des Überweisungsverkehrs tangiert, von der SEPA-Lastschrift, die das bisherige Abbuchungs-/Einzugsermächtigungsverfahren ersetzt, nur passiv, da der Zahlungsempfänger die Initiative zu ergreifen hat, um beispielsweise eine neue Einzugsermächtigung („Mandat“) einzuholen, dessen Kopie der Arzt nach Unterschriftsleistung seiner Bank vorzulegen hat.

Praktische Vorgehensweise

Eine Arztpraxis hat

  • Briefbögen, Rechnungen et cetera mit der neuen 22-stelligen Kontonummer (IBAN) zu versehen (möglichst kein Stempelaufdruck; Leserlichkeit ist in Gefahr, und für dadurch entstehende Fehleingaben haftet die Bank nicht),
  • alte Überweisungsvordrucke auszutauschen,
  • die IBAN-Daten seiner Mitarbeiterkonten in die Buchhaltung zu integrieren und
  • deswegen vor allem Steuerberater, eigene Bank und IT-Dienstleister zu kontaktieren.

Vor allem sollte der Arzt für eine rasche Umsetzung der Neuerung in der Praxis sorgen, kommt doch der 1. Februar 2014 schneller als erwartet.

Michael Bandering

*§ 13 BGB: Verbraucher ist jede natürliche Person, die ein Rechtsgeschäft zu einem Zweck abschließt, der weder ihrer gewerblichen noch ihrer selbstständigen beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann.

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