ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Wann der Nephrologe hinzugezogen werden sollte

AKTUELL: Akut

Wann der Nephrologe hinzugezogen werden sollte

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1938 / B-1714 / C-1678

EB

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Medizinischen Disziplinen wird häufig der Vorwurf gemacht, bestimmte Erkrankungen zu früh oder sogar unnötigerweise zu behandeln („Übertherapie“) – zulasten des Gesundheitssystems, aber auch der Betroffenen. Umgekehrt kann eine zu spät einsetzende Therapie dem Patienten schaden. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hat nunmehr Empfehlungen erarbeitet, die Hausärzten und Allgemeinmedizinern die Entscheidung für einer Überweisung zum Facharzt erleichtern soll.

Die Schnittstelle zwischen hausärztlicher und fachärztlicher Betreuung regelt der Bundesmantelvertrag. In seiner in diesem Punkt immer noch gültigen Fassung von 2009 legt er fest, dass alle Patienten einem Nephrologen vorgestellt werden sollten, wenn die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) unter 60 ml/min/1,73 m2 liegt, oder wenn bestimmte Komplikationen (zum Beispiel Hämaturie, Albuminurie) vorliegen. Die ursprüngliche Empfehlung des Bundesmantelvertrags, alle Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion von unter 60 ml/min/1,73 m2 zum Facharzt zu überweisen, ist sehr weit gefasst, so die DGfN. Da der Nierenfunktionsverlust auch eine „normale“, altersabhängige Erscheinung ist, wäre es wenig zielführend, alle diese Patienten zu einem Nephrologen zu schicken – was im Alltag auch nicht umgesetzt wird.

Allerdings hat sich nach Ansicht der DGfN durch die zu weitgefasste Indikationsstellung für die Überweisung zum Nephrologen eine „Laxheit“ im Umgang mit Nierenerkrankungen ausgebreitet: „Noch immer werden Patienten, die einer nephrologischen Betreuung bedurft hätten, viel zu spät, oft erst unmittelbar vor Dialysepflichtigkeit, einem Nephrologen vorgestellt. Daher hat die DGfN einen Praxisratgeber entwickelt, der sehr viel differenzierter als der Bundesmantelvertrag die Indikationsstellung für die Überweisung zum Facharzt beschreibt.

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Darin empfiehlt die DGfN als „Faustregel“, Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion ohne Begleitkomplikationen wie Albuminurie oder Hämaturie erst ab einer GFR unter 45 ml/min/1,73 m2 zum Nephrologen zu überweisen. Damit sei eine Überdiagnostik ausgeschlossen, aber gleichzeitig sichergestellt, dass Patienten rechtzeitig in nephrologische Behandlung kommen, um den terminalen Nierenfunktionsverlust möglichst lange hinauszuzögern. In dem Ratgeber werden auch Sonderfälle beschrieben und klare Kriterien aufgelistet, wann ansonsten noch eine Überweisung erfolgen sollte. EB

www.kdigo.org/clinical_practice_guidelines/pdf/CKD/KDIGO_2012_CKD_GL.pdf

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