ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1980 / C-1712

Schuchart, Sabine

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Von den Herausforderungen und Abgründen des Lebens erzählen die neuen Filme – das Deutsche Ärzteblatt stellt eine Auswahl sehenswerter Premieren vor.

Drama

Foto: Alamode Film
Foto: Alamode Film
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Ab 17. Oktober:

Finsterworld

Finsterworld ist eine groteske Welt, ein Zerrbild der deutschen Gesellschaft, das fasziniert und abstößt. Ein Land, in dem stets Sommer ist und die Kinder Schuluniformen und dicke Brillen tragen (Bild: Carla Juri und Leonard Scheicher). Doch hinter der Idylle lauert der Abgrund, und um den geht es den beiden Filmemachern, Romancier und Drehbuchautor Christian Kracht und Regisseurin Frauke Finsterwalder, die mit dem fast namensgleichen Film ihr Debüt gibt. In der zynischen Gesellschaftssatire durchlaufen die verschiedenen Protagonisten die bizarrsten Situationen – und am Ende siegen Egozentrik und Hinterlist.

Deutschland 2013, 91 Min. (FSK: 12)

Ab 24. Oktober:

Exit Marrakech

Wie schon in „Nirgendwo in Afrika“ hat Caroline Link auch für ihren neuen Film eine exotische Kulisse, diesmal Marokko, als Schauplatz gewählt. Dort spielt das Vater-Sohn-Drama, das vor allem durch die schauspielerischen Leistungen der beiden Protagonisten überzeugt. Der schon lange von seiner Familie getrennt lebende, exzentrische Heinrich (Ulrich Tukur), der als Theaterregisseur auf Tournee in Marokko unterwegs ist, hat seinen rebellischen Sohn, den 17-jährigen zuckerkranken Ben (Samuel Schneider), zu sich geholt − für beide eine gewaltige Herausforderung.

Deutschland/Frankreich 2013, 122 Min. (FSK: 6)

Ab 31. Oktober:

Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt

Die Filmmacher reißen sich um die Geschichte des Gründers der umstrittenen Enthüllungsplattform Wikileaks, Julian Assange. Nach der Doku von Alex Gibney kommt jetzt die Hollywood-Version seines Lebens ins Kino. Dass Assange den Streifen im Vorfeld verriss, hat nicht viel zu sagen, beruht dieser doch auf den Enthüllungen seines einst engsten Mitarbeiters Daniel Domscheit-Berg, der das Unternehmen im Streit verließ. Interessant ist die Besetzung: Benedict Cumberbatch verkörpert die schillernde, egomanische Figur des Julian Assange, Daniel Brühl seinen Counterpart Domscheit-Berg, was der Legende um Wikileaks zumindest eine weitere Facette hinzufügt.

USA/Deutschland 2013, 124 Min. (FSK: 16)

Komödie

Ab 17. Oktober:

Unter dem Regenbogen

Die Geschichte beginnt mit einem Happy End, aber bald zeigt sich, dass es in Beziehungen erst danach richtig losgeht. Laura (Agathe Bonitzer) lebt in Paris bei ihrer Tante Marianne (Agnès Jaoui) und hat mit Sandro (Arthur Dupont) ihren Traumprinzen gefunden. Aber dann tritt ein neuer Mann in ihr Leben, und Sandros Vater Pierre (Jean-Pierre Bacri) lebt seine Beziehungsneurosen in köstlichen Dialogen mit der chaotischen Marianne aus, der er Fahrstunden gibt. Auch im neuen Film des Erfolgsduos Jaoui/Bacri („Schau mich an“) muss jeder sein Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Frankreich 2013, 112 Min.

Ab 7. November:

Blue Jasmine

Die grandiose Cate Blanchett als New Yorker Multimillionärin Jasmine, die aus ihrem Appartement an der Upper East Side ausziehen muss, weil ihr Ehemann Hal (Alec Baldwin) wegen Investmentbetrugs verhaftet wurde, steht im Zentrum von Woody Allens wunderbarer Tragikomödie. Die verarmte, Antidepressiva schluckende High-Society-Lady, die noch nie im Leben gearbeitet hat, zieht zu ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins) nach San Francisco und verdingt sich notgedrungen als Assistentin eines Zahnarztes. Wegen der komplexen Figur der Jasmine ist das komisch und ernst zugleich.

USA 2013, 98 Min.

Dokumentation

Ab 17. Oktober:

Blick in den Abgrund

Ungelöste Fälle können sie ein Leben lang begleiten, in ihrer Arbeit setzen sie blutige Puzzles zu Täter- beziehungsweise Tatortprofilen zusammen. Barbara Eder hat sechs sogenannte Profiler, forensische Psychologen und Psychiater bei der Arbeit beobachtet.

Österreich/Deutschland 2013, 90 Min.

Sabine Schuchart

DVD-Tipp

Die Kraft des Widerstands

„Ich hatte eine Ahnung, dass es etwas gibt, das man nicht vernichten kann, eine andere Dimension, die immer da war und ewig da sein wird. Das gab mir die Kraft zu überleben“, sagt Yehuda Bacon. In Auschwitz war der heute 83-jährige Maler, ebenso wie Esther Bejarano (88, Sängerin), Éva Pusztai-Fahidi (87, Schriftstellerin) und Greta Klingsberg (83, Sängerin) dem Holocaust ausgesetzt. Wie gelang es den vier Zeitzeugen, ihre Traumata zu verarbeiten und nicht zu verzweifeln, sondern im Gegenteil außergewöhnlichen Lebensmut und große Lebensfreude zu entwickeln? Christa Spannbauer porträtiert in ihrem Film vier ungemein positive, aktive Menschen, begleitet sie bei ihrem künstlerischen und politischen Engagement und zeigt ihre vielfältigen Aktivitäten gegen Neonazismus. Die Botschaft: Auch unter unvorstellbaren Lebensbedingungen können Empathie, Würde und die Kraft des Widerstands bewahrt werden.

Christa Spannbauer/Thomas Gonschior: „Mut zum Leben – Die Botschaft der Überlebenden von Auschwitz“, 60 Min., Absolut Medien 2013; circa 14 Euro.

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