ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Antimykotische Therapie in der Schwangerschaft: Keine Teratogenität von oralem Fluconazol gefunden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antimykotische Therapie in der Schwangerschaft: Keine Teratogenität von oralem Fluconazol gefunden

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1970 / B-1740 / C-1702

Meyer, Rüdiger

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Vaginale Candidosen sind in der Schwangerschaft häufig und eine Indikation für die Anwendung des Antimykotikums Fluconazol. Die Therapie erfolgt zunächst topisch, bei unzureichender Wirkung oral. Vereinzelt gab es Fallberichte über kongenitale Fehlbildungen bei Kindern, deren Mütter in der Schwangerschaft über längere Zeit hoch dosiert Fluconazol erhalten hatten, allerdings meist intravenös.

In einer Register-basierten Studie aus Dänemark wurde das Risiko für Fehlbildungen bei Kindern von 7 352 Frauen untersucht, denen während der Schwangerschaft – der Fokus lag auf dem ersten Trimester – Fluconazol oral verordnet worden war. 210 Frauen brachten ein Kind mit kongenitaler Fehlbildung zur Welt, entsprechend 2,86 % aller intrauterin Fluconazol-exponierter Kinder. Dies belegt nach Meinung der Autoren allerdings nicht das teratogene Potenzial des Wirkstoffs. Denn auch unter den 968 236 nicht-exponierten Kindern gab es 25 159 Fehlbildungen (2,60 %). Der Anstieg des Risikos um 6 % (Odds Ratio [OR]) war bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall (KI) von 0,92 bis 1,21 nicht signifikant.

Aufgrund der hohen Fallzahl waren Einzelanalysen zu 15 verschiedenen Fehlbildungen möglich. Für 14 wurde kein erhöhtes Risiko gefunden. Einzig für die Fallot-Tetralogie, einem schweren Herzfehler mit Pulmonalstenose, Ventrikelseptumdefekt, reitender Aorta und Rechtsherzhypertrophie, gab es einen statistisch signifikanten Unterschied: Bei sieben Fluconazol-exponierten Kindern (Prävalenz 0,10 %) wurde dieser kongenitale Herzfehler gefunden gegenüber 287 Fällen bei nicht-exponierten Kindern (Prävalenz 0,03 %; OR 3,16; 95-%-KI 1,49–6,71). Dies könnte ein Zufallsbefund sein oder ein gering erhöhtes Risiko für diese Herzfehlbildung anzeigen. In Dänemark werden jährlich circa zwanzig Kinder mit Fallot-Tetralogie geboren. Statistisch wären 0,3 Fehlbildungen pro Jahr auf die Anwendung von Fluconazol zurückzuführen.

Fazit: Die orale Anwendung von Fluconazol in der Schwangerschaft ist nicht mit einem erhöhten Risiko für kongenitale Fehlbildungen beim Kind assoziiert. Ausnahme ist möglicherweise die Fallot-Tetralogie.

Rüdiger Meyer

Mølgaard-Nielsen D, Pasternak B, Hviid A: Use of oral fluconazole during pregnancy and the risk of birth defects. NEJM 2013; 369: 830–9. MEDLINE

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