ArchivDeutsches Ärzteblatt42/2013Elektronischer Heilberufsausweis: Pilotprojekt mit Physiotherapeuten

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Elektronischer Heilberufsausweis: Pilotprojekt mit Physiotherapeuten

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1941 / B-1717 / C-1681

Krüger-Brand, Heike E.

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Den ersten eHBA für Physiotherapeuten hat der stellvertretende IFK-Vorsitzende Rick de Vries entgegengenommen. Foto: IFK
Den ersten eHBA für Physiotherapeuten hat der stellvertretende IFK-Vorsitzende Rick de Vries entgegengenommen. Foto: IFK

In Nordrhein-Westfalen werden derzeit die Ausgabeprozesse elektronischer Ausweise an eine nicht verkammerte Berufsgruppe getestet.

Mehr als 500 elektronische Heilberufsausweise (eHBA) seien inzwischen an selbstständige Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ausgegeben worden, und eine weitere Tranche von 250 Ausweisen stehe hierfür zur Überprüfung an, berichtete Dr. Frank Dudda, Geschäftsführer des Bundesverbandes selbstständiger Physiotherapeuten (IFK e.V.), beim Fachkongress IT-Trends Medizin in Essen. Dabei geht es um die Identifizierung und Authentifizierung der Antragstellenden sowie um die Überprüfung der Berufserlaubnis beziehungsweise der Berufsurkunde. „Wir sind sehr zuversichtlich, zum Ende des Jahres die ersten 1 000 Ausweise ausgegeben zu haben“, meinte Dudda.

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Das Projekt ist zunächst auf Nordrhein-Westfalen (NRW) beschränkt. Aufbauend auf den damit gesammelten Erfahrungen der Physiotherapeuten sollen dann weitere Berufsgruppen sukzessive und flächendeckend mit elektronischen Ausweisen ausgestattet werden. An dem Projekt beteiligen sich das ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin sowie als Industriepartner der französische Atos-Konzern und opta data.

Gesundheitsberuferegister als Ausgabeinstanz

Die nordrhein-westfälische Ge­sund­heits­mi­nis­terin Barbara Steffens (Bündnis 90/Die Grünen) hatte das Pilotprojekt im vergangenen Jahr auf der Medica gestartet und gleichzeitig auch die Homepage des elektronischen Gesundheitsberuferegisters (eGBR) unter www.egbr.de freigeschaltet. Das länder- und berufsgruppenübergreifende elektronische Register soll künftig die elektronischen Heilberufs- und Berufsausweise an die Angehörigen der nicht verkammerten Gesundheitsfachberufe und Gesundheitshandwerker sowie an sonstige Erbringer ärztlich verordneter Leistungen ausgeben. Das betrifft etwa Pflegekräfte, Hebammen, Logopäden, Hörgeräteakustiker, medizinisch-technische Assistenten und andere. Dagegen sind bei den approbierten Gesundheitsberufen (Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Apotheker) für die Herausgabe der Ausweise die jeweiligen Kammern in den Ländern zuständig.

Als Sitz des eGBR hat die Ge­sund­heits­minis­ter­kon­fe­renz der Länder (GMK) Nordrhein-Westfalen festgelegt. Derzeit wird das Register am Gesundheitscampus NRW in Bochum aufgebaut. Die inhaltliche Begleitung des eGBR übernimmt ein Fachbeirat, in dem Vertreter aus 64 Verbänden und circa 50 verschiedenen Berufen vertreten sind, wie Arnd Longrée, Sprecher des Beirates, erläuterte.

Stärkung der nichtärztlichen Leistungserbringer

Mit dem Zugang zur geplanten Tele­ma­tik­infra­struk­tur erhofft sich die heterogene Branche eine schrittweise Professionalisierung und Stärkung der Rolle der nichtärztlichen Leistungserbringer – nicht zuletzt durch den Zugang zur Tele­ma­tik­infra­struk­tur. Auch wenn derzeit noch Anwendungen fehlen, wolle man die zukünftige elektronische Ausrichtung im Gesundheitswesen aktiv begleiten, erläuterte Dudda.

Dabei kann sich der Berufsverband auch auf die diesjährige GMK berufen. Diese hatte im Juni in einem einstimmigen Beschluss das Bundesministerium für Gesundheit aufgefordert, die für den Aufbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur maßgeblichen gesetzlichen Regelungen der §§ 291a und b Sozialgesetzbuch V anzupassen. Unter anderem soll die „Zugriffsmöglichkeit auf Anwendungen und die Tele­ma­tik­infra­struk­tur für die circa zwei Millionen Angehörigen nicht-approbierter Gesundheitsberufe“ geklärt werden, heißt es darin.

Heike E. Krüger-Brand

Anwendungsszenarien

Mit dem elektronischen Heilberufsausweis können sich Physiotherapeuten nicht nur als Berufsangehörige ausweisen, sondern künftig auch auf die Daten der elektronischen Gesundheitskarte zugreifen. Funktionen und mögliche Anwendungsszenarien:

  • fortgeschrittene elektronische Signatur
  • Dokumentation
  • Plausibilitätsprüfung ärztlicher Verordnungen
  • Genehmigungsverfahren
  • Fortbildungspunkte
  • Abrechnung

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