GELDANLAGE

Börsebius: Die Neue

Dtsch Arztebl 2013; 110(42): A-1983 / B-1751 / C-1715

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Der große Häuptling hat gesprochen. Janet Yellen soll als Chefin der amerikanischen Notenbank Ben Bernanke beerben, der nach nunmehr zwei Amtszeiten ausscheiden wird. Zum ersten Mal in der Geschichte der Federal Reserve wird also eine Frau eine Institution leiten, die nicht nur für die USA von größtem Gewicht ist, sondern für die Finanzmärkte weltweit.

Ob die gute Janet als Präsidentin der Fed Barack Obamas erste Wahl war (und ist), kann füglich bezweifelt werden. Erst nach langem Suchen andernorts und erst nachdem er seinen Freund Larry Summers für den Posten mangels politischer Unterstützung nicht durchbringen konnte, entschied sich Obama für Yellen. Parteifreunde und Yellen-Fans leisteten dem Washingtoner Flurfunk zufolge ordentlich Schützenhilfe bei der Entscheidung. Nicht mehr und nicht weniger als letztendlich die Krönung einer Konsenskandidatin. Konsens und Übergang scheinen hier überdies auch noch Hand in Hand zu gehen, denn mit 67 Jahren ist Frau Yellen für zwei Amtszeiten wohl eher nicht gerüstet, wiewohl Bernankes Vorgänger Alan Greenspan noch mit fast 80 Jahren Chef der Fed war, Methusalem gewissermaßen. Warten wir es einfach ab. In Fachkreisen genießt die Yale-Absolventin Janet Yellen einen exzellenten Ruf („Liebling der Ökonomen“), sie ist, so gesehen, eine ausgezeichnete Besetzung für den Posten. Außerdem gilt sie als nicht konfliktscheu.

Die Wallstreet jubelte zwar kaum spürbar, als die Nominierung bekanntgegeben wurde, dafür piesackte der Haushaltsstreit die Marktteilnehmer doch zu sehr. Aber immerhin gab es durchweg positive Kommentare, denn Janet Yellen gilt den meisten als Garantin dafür, dass Ben Bernankes Politik fortgeführt wird, sie war ja auch schon bisher „Vice Chairman“ der Fed.

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Wenn „die Neue“ die „alte“ Politik der Fed fortführt, also die Märkte weiterhin mit billigem Geld versorgt, kann das mittelfristig ganz hilfreich sein, um die Finanzmärkte zu beruhigen. Janet Yellen gab dann auch vor den Kameras zu Protokoll, dass die Finanzmarktkrise langsam kein so großes Thema mehr sei, jedoch der Arbeitsmarkt noch der Unterstützung bedürfe.

Damit meint sie wohl auch eine weitere laxe Geldpolitik. Die hilft durchaus auch der amerikanischen Wirtschaft, die bei weitem nicht robust genug ist, um mögliche Zinsanstiege verkraften zu können. Langfristig sind die Gefahren der Politik des billigen Geldes jedoch gravierend. Die Inflationsgefahren durch die ungenierten milliardenschweren Anleihekäufe sind einfach immens.

Janet Yellen sollte wenigstens in der Besenkammer des Fed-Instrumentariums nachschauen, ob sich nicht ein paar neue finden, mit denen es sich besser kehren lässt. Andernfalls gibt es später mehr Müll wegzuräumen, wenn sich spekulative Blasen aufbauen. Und das kann dann richtig schlimm werden.

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