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Wir danken den Kollegen für die interessanten Gedanken zu unserem Artikel und möchten kurz die Gelegenheit nutzen, auf einige wichtige Diskussionspunkte einzugehen.

Herr Calia hebt zu Recht die Bedeutung einer genaueren Diagnostik unter Einbeziehung des Lebensumfeldes des jugendlichen Patienten für die Früherkennung von psychiatrischen Erkrankungen in der Adoleszenz hervor. Im Bereich der Psychosen beispielsweise erlauben es mittlerweile diagnostische Verfahren zwar recht gut, das Psychose-Risiko bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen einzuschätzen, jedoch hat sich auch gezeigt, dass Probanden, die die Ultra-high-risk-Kriterien für Psychosen erfüllen, häufig auch andere Störungsbilder aufweisen (1).

Daher scheint in der Tat die Adoleszenz ein pluri-potent-risk-stage darzustellen, aus der sich verschiendenste psychische Erkrankungen herauskristallisieren können. Weitere Langzeitstudien sind hier erforderlich, um besser die Verläufe und das Auftreten von verschiedenen Störungsbildern in der Adoleszenz zu verstehen.

Der Beitrag von Prof. Dr. med. T. Esch betont die Korrespondenz zwischen der phänomenologischen Ebene und der aus der unterschiedlichen Reifung von kortikalen und sub-kortikalen resultierenden neurobiologischen Dynamik in der Adoleszenz, die sich in verschiedenen Grundbedürfnissen von „Sicherheit und Verbundenheit“ versus „Autonomie und Freiheit“ äußert. Hier ist es sicherlich richtig festzustellen, dass die Plastizität des Belohnungsystems, das zum Beispiel das Risikoverhalten entscheidend beeinflusst, über das Erwachsenenalter hinaus erhalten bleibt. Jedoch scheinen die Daten aus Human- und Tierstudien auch darauf hinzuweisen, dass gerade dieses System besonders tiefgreifenden Veränderungen in der Adoleszenz unterliegt.

Der Zusammenhang der hormonellen Reifungsprozesse der Pubertät und den neurobiologischen Veränderungen der Adoleszenz ist ein weiteres und zentrales Thema der zukünftigen Forschungsarbeit.

Die Autoren stimmen Herrn Dr. phil. Dr. med. H. Niederhofer zu, dass die Reifung von kortikalen Strukturen keinen Anstieg der Pubertätshormone per se verursacht. Ebenfalls wird nicht angenommen, dass striatale Veränderungen direkt das Wachstum in kortikalen Strukturen anregen.

Daraus ist jedoch nur bedingt zu folgern, dass die neurobiologischen Veränderungen nur Resultat hormoneller Einflüsse sind. Vielmehr ist von einem komplexen Wechselspiel von sowohl organisierenden als auch aktivierenden Effekten von Geschlechtshormonen auf die Hirnentwicklung auszugehen, das heißt, dass es einerseits unter hormonellen Veränderungen es zur dauerhaften Reorganisation von neuronalen Netzwerken kommen kann, aber auch, dass sich die Aktivität des ausgereiften Netzwerks sich unter akutem Hormoneinfluss verändert (2).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0733b

Prof. Dr. rer. nat. Kerstin Konrad
Lehr- und Forschungsgebiet Klinische Neuropsychologie
des Kindes- und Jugendalters
Klinik für Psychiatrie
Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters
Universitätsklinikum der RWTH Aachen
kkonrad@ukaachen.de

Dr. PhD Christine Firk
Klinik für Psychiatrie
Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters
Universitätsklinikum der RWTH Aachen

Dr. PhD Peter J. Uhlhaas
Institute of Neuroscience and Psychology, University of Glasgow

Interessenkonflikt

Prof. Konrad hat Vortragshonorare erhalten von den Firmen Medice, Lilly und Novartis.
Sie bekam Studienunterstützung (Drittmittel) von der Firma Vifor Pharma Ltd.

Die übrigen Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Fusar-Poli P, et al.: The psychosis high-risk state: a comprehensive state-of-the-art review. JAMA Psychiatry 2013; 70: 107–20 CrossRef MEDLINE
2.
Schulz KM, Molenda-Figueira HA, Sisk CL: Back to the future: The organizational-activational hypothesis adapted to puberty and adolescence. Horm Behav 2009, 255: 597–604 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Konrad K, Firk C, Uhlhaas PJ: Brain development during adolescence: neuroscientific insights into this developmental period. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(25): 425–31 VOLLTEXT
1.Fusar-Poli P, et al.: The psychosis high-risk state: a comprehensive state-of-the-art review. JAMA Psychiatry 2013; 70: 107–20 CrossRef MEDLINE
2.Schulz KM, Molenda-Figueira HA, Sisk CL: Back to the future: The organizational-activational hypothesis adapted to puberty and adolescence. Horm Behav 2009, 255: 597–604 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.Konrad K, Firk C, Uhlhaas PJ: Brain development during adolescence: neuroscientific insights into this developmental period. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(25): 425–31 VOLLTEXT

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