ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1996CD-ROM in der Medizin: Von der „Roten Liste“ zum interaktiven Lehrprogramm

VARIA: Technik für den Arzt

CD-ROM in der Medizin: Von der „Roten Liste“ zum interaktiven Lehrprogramm

Liedler, Angela

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LNSLNS In der Medizin steht die CD-ROM erst am Anfang. Nachdem inzwischen die ersten Nachschlagewerke über das neue Speichermedium abzurufen sind, wird sich die CD-ROM in den nächsten Jahren auch in der Aus- und Fortbildung durchsetzen. Hier bietet das System der CD-ROM erhebliche Vorteile gegenüber dem klassischen Lehrbuch.


Als erstes Werk wurde das Roche-Lexikon auf einer Silberscheibe angeboten. Inzwischen gibt es das offizielle Hilfsmittelverzeichnis mit seinen Erläuterungen und die "Rote Liste" mit halbjährlichen Updates. Die Nachschlagewerke werden sich zum trojanischen Pferd für die breite Akzeptanz der CD-ROM in der Medizin entwickeln. Wer mit ihnen gute Erfahrungen gemacht hat, ist auch offen für andere CD-ROM-Produktionen.
Vor allem im Bereich der Aus- und Fortbildung ist die CD-ROM dem traditionellen Lehrbuch überlegen. Der Lehrstoff wird so aufgearbeitet, daß ihn der Nutzer spielerisch am Computer abrufen kann. Die Arbeit am Rechner, die interaktive Auseinandersetzung mit einem Lehrstoff, macht einfach mehr Spaß als das vergleichsweise trockene Büffeln mit dem Lehrbuch. Der Nutzer hat die Möglichkeit, bekannte Details zu überspringen, dafür andere Passagen langsamer durchzuarbeiten. Die anschließende Lernkontrolle vermittelt ein Erfolgserlebnis – oder sie führt dazu, daß der Nutzer bestimmte Passagen wiederholt, bis er sicher ist, sie verstanden zu haben.
Hinzu kommt, daß die CD-ROM die Möglichkeit bietet, bewegte Bilder zu zeigen. Während Vorgänge in einer Bilderfolge in einem Buch oft nur schwer verständlich darzustellen sind, vermitteln bewegte Bilder einen wirklichkeitsgetreuen Ablauf, der noch durch die Wiedergabe der natürlichen Geräusche unterlegt wird. Sowohl durch einen Sprecher als auch durch einen erläuternden Text lassen sich die abgebildeten Vorgänge zusätzlich erläutern. Allerdings müssen für die CD-ROM völlig neue Programme entwickelt werden. Denn es reicht nicht, vorhandene Lehrbücher zu digitalisieren. Dabei taucht ein Problem auf: Medizinische Fachautoren verfügen selten über das für die Programmierung notwendige Know-how und sind auf die Kooperation mit Computerfachleuten angewiesen.
Viele der bisher vorliegenden CD-ROM zeigen nur allzu deutlich, daß diese Zusammenarbeit zwischen einem medizinischen Fachautor und einem Programmierer wegen des höchst unterschiedlichen Wissensspektrums sehr schwierig ist. Auf die traditionelle Buchproduktion übertragen, kämen wir zu einer für alle Beteiligten undenkbaren Verfahrensweise: Der sachkundige Mediziner erzählt dem Lektor den Inhalt seines Buches, der sich dann an die Maschine setzt und alles so aufschreibt, wie er es verstanden hat. Das Ergebnis ist in vielen Fällen ein fachlich nicht ausgereiftes Lernangebot und eine nicht optimale Umsetzung des Stoffes.
Hier bietet sich die Chance eines neuen Berufsbildes – das des fachkundigen Mediziners als Produzenten, der gleichzeitig sachverständiger Partner des schreibenden Arztes und auch des Programmierers ist. Seine Aufgabe wird es sein, wie im Film Drehbücher für CD-ROM-Produktionen zu entwickeln und die einzelnen Sequenzen im Detail zu planen.
Doch das ist nicht die einzige Hürde, die der Verbreitung der CD-ROM in der Medizin heute noch im Wege steht. Problematisch sind die im Vergleich zu Buchproduktionen hohen Entwicklungskosten. Daraus ergibt sich für innovative Unternehmen die Chance, sich mit CD-ROM-Produktionen zu profilieren und gleichzeitig frühzeitig Erfahrungen im Umgang mit dem neuen Medium zu sammeln. In wenigen Jahren wird der Versand einer CD-ROM zu den üblichen Einführungsmaßnahmen neuer Produkte gehören. Dr. Angela Liedler

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