ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Ausländische Ärzte: Ausnahme für Weiterbildungsstipendiaten
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Natürlich ist es ein löbliches Anliegen, ausländische Ärzte, die bei uns arbeiten, auf die Beherrschung der deutschen Sprache zu verpflichten. Dabei sollten wir aber nicht vergessen, dass wir hier von sehr unterschiedlichen Voraussetzungen sprechen, die nicht über einen Kamm geschoren werden sollten.

Ausländische Kollegen mit voller Approbation, die zum selbstständigen ärztlichen Arbeiten berechtigt werden, bedürfen ohne Zweifel einer soliden Sprachkenntnis sowohl im umgangssprachlichen, als auch im berufsspezifischen Bereich. Ganz anders aber sieht es in meinen Augen aus für die jungen Kollegen – insbesondere aus nicht europäischen Ländern und hier ganz besonders den Entwicklungsländern –, die zu uns kommen, um die Facharztweiterbildung zu absolvieren. Für diese Kollegen hat Deutschland als Ausbildungsland immer noch ein hohes Ansehen, auch wenn die internationale Konkurrenz durch andere Länder wie Indien, Pakistan, China, Russland, Amerika etc. mit englischem Sprachgebrauch immer stärker wird. Eine in Deutschland abgeschlossene Facharztweiterbildung sorgt für eine Verbundenheit mit uns als Ausbildungsland, die Deutschland in vieler Hinsicht langfristig sehr zugutekommt. Der Zutritt zur Weiterbildung in Deutschland ist aber ohnehin mit immer höheren bürokratischen, organisatorischen und finanziellen Hürden für diese Kollegen aus Entwicklungsländern verbunden. Der Beginn der Arbeit in einer hiesigen Weiterbildungsstelle (meist als Stipendiat) ist dabei stets nur in Abhängigkeit und unter der Anleitung eines Ausbilders oder eines kollegialen Tutors möglich. Im Laufe der ersten Monate entwickelt sich dann stets ohne Probleme im Rahmen der Anpassung an die hiesigen Arbeits- und Lebensverhältnisse auch die notwendige Sprachfähigkeit.

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Mein Vorschlag wäre daher, es für diejenigen Kollegen, die zum Zwecke der Weiterbildung zu uns kommen, bei der alten Regelung zu lassen: Nachweis des im Ausland erwerbbaren Sprachtests für den Grundlevel der Umgangssprache. Beherrschung der fachmedizinischen Sprache aber erst bei Zuteilung der voll eigenverantwortlichen Approbation. Es müssten also nur die Ärzte diesen Sprachtest ablegen, die in Deutschland bleiben. Diejenigen, die in ihr Heimatland zurückkehren – was bei den Weiterbildungsstipendiaten stets der Fall ist – können sich diesen Aufwand im wahrsten Sinne des Wortes sparen. Die gut gemeinte Sprachprüfung wird sonst zu unserer eigenen Isolation – zumindest in den Entwicklungsländern – beitragen.

Prof. Dr. med. Matthias Richter-Turtur,
Isarkliniken, 80331 München

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