ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Demenz: Tanzschule bittet aufs Parkett

KULTURTIPPS

Demenz: Tanzschule bittet aufs Parkett

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): [58]

dpa

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Initiative „Wir tanzen wieder – Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz“ ist bundesweit einmalig. Foto: dpa
Die Initiative „Wir tanzen wieder – Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz“ ist bundesweit einmalig. Foto: dpa

Wenn es in der Kölner Tanzschule Stallnig-Nierhaus heißt „Wir tanzen wieder – Tanzen für Menschen mit und ohne Demenz“ ist der 76-jährige Johannes mit fortgeschrittener Demenz immer dabei, mit einer ehrenamtlichen Begleiterin. Bis zu 50 weitere Tänzer zwischen 60 und 97 Jahren schieben sich übers Parkett: Demenzkranke, ihre Angehörigen oder Betreuer aus dem Heim.

Die Initiative ist bundesweit einmalig und lässt inzwischen in anderen Städten und sogar im Ausland einige aufhorchen. Die Idee hatte Stefan Kleinstück vom Demenz-Servicezentrum Köln. „Viele Demenzkranke haben vor langer Zeit in einer Tanzschule gelernt. Wenn wir jetzt hier die Musik aufdrehen, die ersten Schritte und einladenden Gesten machen, sind sie sofort dabei“, erzählt der Sozialarbeiter, Krankenpfleger und Vize-Vorsitzende der Alzheimer Gesellschaften NRW.

Anzeige

Hans-Georg Stallnig öffnete seine Tanzschule erstmals vor einigen Jahren zum Welt-Alzheimertag, der immer am 21. September begangen wird, für das gemeinsame Vorhaben. Der Tanzlehrer betont: „Es ist toll, was die Musik erreichen kann, wenn der Geist weg ist.“ Musik spricht emotional an, kann manchmal verschüttete Erinnerungen hervorholen. Tanzschritte und Bewegungsabläufe aus der Jugendzeit kommen wieder aus dem Langzeitgedächtnis hervor.

Auch in Seniorenheimen oder Gemeindesälen versuche man zwar mitunter, Demenzkranke mit Musik und Bewegung zu motivieren, aber oft ohne Erfolg, so Kleinstück: „Es reicht nicht, einfach Musik aufzulegen oder eine Orgel zu quälen. Man braucht schon Profis.“ Ein gekonntes Animieren und Anleiten sei nötig. Prof. Dr. med. Gereon Fink, Direktor der Neurologischen Klinik an der Uni Köln, hält das Angebot für „sehr sinnvoll“. Es werde körperliche und geistige Aktivität angeregt und zudem ein positiver emotionaler Effekt erzielt. „Die Kombination von Musik und Bewegung kann bei manchen Alzheimer-Patienten eine maximale Stimulation auslösen.“ Für pflegende Angehörige und Betreuer sei es zudem entlastend, mit Menschen in gleicher Situation zusammenzukommen. Die Kölner Initiative macht inzwischen bereits Schule. „Wir berichten auf Kongressen, gehen zu anderen Tanzschulen, führen Schulungen durch und haben auch internationale Anfragen“, sagt Kleinstück. dpa

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema