ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Deutscher Ärztinnenbund: Eine neue Generation motivieren

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Deutscher Ärztinnenbund: Eine neue Generation motivieren

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2009 / B-1775 / C-1738

Rieser, Sabine

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Podiumsdiskussionen, Interviews, Anhörungen – der Ärztinnenbund ist gefragt. Gleichzeitig ist es schwer, junge Kolleginnen dafür zu gewinnen, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der neue Vorstand versucht es mit Hilfe von Professionalisierung und moderner Kommunikation.

Klinik, Kinder, Kammer – vielen jungen Ärztinnen ist das zu viel. Sie sind froh, wenn sie ihre Arbeit mit den Kita-Öffnungszeiten unter einen Hut bekommen und wollen sich nicht zusätzlich in berufsständischen Gremien engagieren. Diese Zurückhaltung beim ehrenamtlichen Engagement trifft auch Verbände wie den Deutschen Ärztinnenbund (DÄB). Das wurde beim diesjährigen DÄB-Kongress Anfang Oktober in Berlin deutlich.

„Der neue Vorstand wird sich vor allem mit der beruflichen Situation von jungen Ärztinnen beschäftigen, um eine neue Generation für die Ziele des DÄB zu begeistern“, betonte dessen wiedergewählte Präsidentin, Dr. med. Regine Rapp-Engels. Es ist eines ihrer Anliegen, „die Vorstandsarbeit künftig für voll berufstätige Ärztinnen – auch mit Familienpflichten – attraktiv und machbar zu gestalten“.

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Über die Grenzen des Ehrenamts diskutieren

Skypen statt treffen, das sei möglich, sagt Regine Rapp-Engels. Doch erfolgreiche politische Arbeit ist ohne persönlichen Einsatz nicht möglich. Foto: DÄB
Skypen statt treffen, das sei möglich, sagt Regine Rapp-Engels. Doch erfolgreiche politische Arbeit ist ohne persönlichen Einsatz nicht möglich. Foto: DÄB

So wurde in der Mitgliederversammlung diskutiert, ob sich der Verband um eine hauptamtliche Geschäftsführerin bemühen solle und ob Aufwandsentschädigungen für die Teilnahme an bestimmten Sitzungen sinnvoll seien. Möglich wäre künftig beides. „Jüngere Ärztinnen prüfen ein ehrenamtliches Engagement auch unter dem Aspekt, ob sie sich einen damit verbundenen Verdienstausfall leisten können oder nicht“, erläuterte Rapp-Engels dem Deutschen Ärzteblatt. Denn viele arbeiteten nicht nur ein wenig mit, sondern trügen wesentlich zum Familieneinkommen bei. „Dann sagt eine Kollegin schon mal: In der Zeit, in der ich an einer Vorstandssitzung teilnehme, könnte ich einen Wochenenddienst übernehmen und Geld verdienen“, berichtet die DÄB-Präsidentin. Hinzu komme, dass ehrenamtliches Engagement in ärztlichen Organisationen häufig nicht wertgeschätzt werde. Eine Aufwandsentschädigung bedeute deshalb auch eine Anerkennung.

Darüber hinaus befasste sich der Ärztinnenbund mit der Frage, ob neue Kommunikationsmöglichkeiten dazu beitragen können, ehrenamtliches Engagement zu erleichtern. „Wir haben E-Mail-Abstimmungen eingeführt, wenn die Sachlage klar ist. Außerdem ist es möglich, zu skypen statt zu einem Treffen zu fahren“, so Rapp-Engels.

Andererseits seien persönliche Kontakte und Treffen bei Foren und in Regionalgruppen unentbehrlich: „Man braucht sie, wenn es um Netzwerkbildung geht, beispielsweise im Rahmen unseres Mentorinnennetzwerks. Und wie Gremienarbeit in Ärztekammern und Verbänden funktioniert oder eine Anhörung im Bundestag, das kann man nicht mit Hilfe von Facebook lernen.“ Die Frage der Nachwuchsgewinnung hat den DÄB immer beschäftigt. Schließlich will er junge Kolleginnen darin unterstützen, ihre Arbeitsbedingungen mitzugestalten und Führungspositionen zu übernehmen. Zudem kann jeder Verband glaubwürdiger für den Nachwuchs eintreten, wenn dieser auch vertreten ist. „Dass Ärztemangel herrscht, bedeutet für uns eine Chance, unsere Forderungen besser durchsetzen zu können“, betonte Rapp-Engels. „Wir werden gehört, man fragt an. Da geht es um eine Veranstaltung dazu, was ein Krankenhaus für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiv macht, oder um einen Vortrag, ob Ärztinnen ihre Patientinnen und Patienten anders behandeln als Ärzte.“

Was genau der Ärztinnenbund von der nächsten Bundesregierung erwartet, darauf will Rapp-Engels erst antworten, wenn sich der neue Vorstand detaillierter positioniert hat, aber: „Ich gehe davon aus, dass wir unsere bisherigen Themen beibehalten, vor allem die Forderung nach einer geschlechtergerechten Gesundheitsversorgung und die nach besseren Berufsbedingungen für Ärztinnen.“ Auch beim Engagement für „Pro Quote Medizin“ wird es sicher bleiben: Die Initiative setzt sich dafür ein, Führungspositionen in Universitätskliniken und Krankenhäusern sowie in allen Gremien der Universitäten und der ärztlichen Selbstverwaltung bis 2018 zu 40 Prozent mit Frauen zu besetzen.

Sabine Rieser

@Themen der wissenschaftlichen Vorträge: Transplantationsmedizin, Öko­nomi­sierung, Adipositas. Kurzfassungen in der „Ärztin“, Bestellung: www.aerztinnenbund.de

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