ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Schach: Du musst dich entscheiden!

SCHLUSSPUNKT

Schach: Du musst dich entscheiden!

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): [60]

Pfleger, Helmut

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Bei den katholischen St. Georgspfadfindern hatte ich einen Kameraden, der sich nicht entscheiden konnte, ob er Braumeister oder Bischof werden wollte. Er wurde dann Braumeister, und das war wohl gut so.

Und es gab viele Jahre später einen mir von Herzen unsympathischen Schachgroßmeister, der gern Weltmeister geworden wäre. Doch war ihm in seinem ureigenen Gedankenkosmos klar, dass er diesem Ziel alles andere bedingungslos unterordnen musste und sich nicht „verzetteln“, sprich seine Energien auch für Frau und Familie vergeuden durfte. Weltmeister wurde er jedenfalls nicht.

„Du kannst nicht zwei Herren dienen“, heißt es in einem zugegebenermaßen etwas anderen Zusammenhang in der Bibel. Mehr oder weniger müssen wir natürlich alle uns im Leben immer wieder entscheiden, wem und was wir unsere Zeit und Energie widmen. Und vielleicht ist es ja für die seelische und körperliche Ökonomie ganz gut, nicht Schachweltmeister zu sein. Sowohl Garry Kasparow als auch Wladimir Kramnik sagten mir, dass Spitzenschach (wie wohl Spitzensport überhaupt) gesundheitsschädlich sei, Boris Spassky meint gar, dass jedes Jahr als Weltmeister zur Lebensverkürzung beitrage. Was allerdings keinen daran hinderte – und im Falle Kramniks immer noch nicht hindert – an seiner Lebensverkürzung aktiv zu arbeiten. Offenbar gibt es in uns Menschen noch andere und stärkere Strebungen als die Einsichten des Verstands.

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Dr. Adrian Moise, ein humorvoller und mir sympathischer Kollege, um keine falschen Assoziationen aufkommen zu lassen, erzählte beim letzten Ärzteturnier, dass sich mit jedem zusätzlichen Facharzttitel seine Schachstärke verringert habe. Zuerst war er „nur“ Neurologe, dann kamen die Psychiatrie und schließlich die Psychosomatische Medizin dazu. Nun könnte man argwöhnen, dass er heute gerade noch wisse, dass die Bauern immer nach vorn gehen und es beim Schach letztlich um den König geht, doch ist es bei ihm, so sehr es im Detail stimmen mag, ein Klagen auf hohem Niveau, immerhin tummelt er sich beim Ärzteturnier stets im Vorderfeld; diesmal war er Neunter unter 134 Ärzten.

In Thüringen spielt er für Ammern in der Landesklasse West, dabei gelang ihm beim Mannschaftskampf gegen Gotha ein hübscher Gewinnzug.

Wie konnte er als Schwarzer augenblicklich einen gewinnbringenden Vorteil erreichen?

Lösung:

Mit der Springergabel 1. . . . Sg4! gewann Schwarz die Qualität (Turm gegen Springer).

Sowohl 2. Lxg4 Dxf2+ 3. Kh1 Txe3 als auch 2. Dg5 Sxe3 oder gar 2. Txe8 Sxh6 sind hoffnungslos.

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