ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Weiterbildung: USA: Weiterbildungsstätten werden kontrolliert

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Weiterbildung: USA: Weiterbildungsstätten werden kontrolliert

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2024 / B-1790 / C-1751

Luft, Friedrich C.

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Eine Kollegin berichtet, dass ihre Facharztausbildung zur Chirurgin neun Jahre anstatt sechs Jahre dauerte, weil unterschiedliche Chefärzte, bei denen sie lernen sollte, keine Weiterbildungsermächtigung hatten und sogar ungehalten waren, wenn danach gefragt wurde. Die Kollegin . . . musste ihre Stellen wechseln und verschiedenen anderen Aufwand betreiben, um ihre Ausbildung zu vollenden.

Man kann nur den Kopf schütteln. Ein Land, das so mit seinen jungen Leuten (und der von Steuerzahlern bezahlten Ausbildung) umgeht, sollte sich nicht wundern, wenn viele ins Ausland abwandern oder aus Enttäuschung andere, nicht-medizinische Berufe ergreifen . . .

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Ich bin „Zuwanderer“ aus den USA und durfte 20 wundervolle Jahre an zwei Universitätskliniken in Deutschland als Lehrer und Ausbilder arbeiten. Im Jahr 1992 erhielt ich in Berlin eine sechsjährige Ausbildungsermächtigung für Innere Medizin, wahrscheinlich aufgrund der großen Bettenzahl. Auch bekam ich eine Ermächtigung für zwei Zusatzgebiete (Nephrologie und Innere Intensivmedizin) und auch für zwei Jahre Klinische Pharmakologie. Für all diese Gebiete hatte ich die notwendigen Voraussetzungen, war aber sehr erstaunt, dass in Deutschland Ermächtigungen an Individuen, meist in leitender Funktion, vergeben werden und nicht Sache eines Lehrkrankenhauses oder einer Universität (Ausbildungsstätten) sind. Meine jungen Mitarbeiter konnten von Glück sagen, dass ich in dieser Zeit nicht unerwartet verstorben bin! . . .

In den USA werden Ermächtigungen von den Ausbildungsstätten nach Antrag und Inspektion vergeben. Kommissionen kommen regelmäßig, befragen das Personal, gehen durch Krankenakten, Kataloge, Nachweise der Fortbildungsveranstaltungen und erscheinen sogar auf der Intensivstation oder im OP. Diese Aktion ist gefürchtet, und Ausbildungsstätten bereiten sich auf solche Besuche sehr gründlich vor. Ein Entzug einer Ermächtigung wäre für ein Krankenhaus nicht nur eine Blamage, sondern eine Katastrophe . . . Im Laufe von 20 Jahren ist in Deutschland nie jemand von der Ärztekammer vorbeigekommen, um mich zu überprüfen; keiner hat je nachgesehen, ob ich wirklich die Scheine für die unterschiedlichen Fächer hatte, die ich behauptete zu beherrschen; meine Arbeitgeber interessierte dies auch nicht. Auf der „American Board of Internal Medicine“-Homepage kann jeder Interessierte sofort erfahren, welche Facharztprüfungen man abgelegt hat, und ob die Berechtigungen fristgerecht erneuert worden sind . . .

Natürlich ist es unmöglich, dass Ärztekammern die Qualifikationen von Tausenden von Chefärztinnen/ärzten regelmäßig überprüfen. Ausbildungsermächtigungen sollten neu überdacht und die persönliche Ermächtigung abgeschafft werden. Universitäten und sogenannte Lehrkrankenhäuser sollten zur Verantwortung gezogen werden können, so dass oben geschilderte Probleme nicht mehr vorkommen. Man sollte überprüfen, ob Ärztekammern (Zünfte) für diese Zulassungsaufgaben geeignet sind. Auch müsste es möglich sein, den Stand der Ermächtigung per Internet sofort zu überprüfen.

Prof. Dr. med. Friedrich C. Luft, Direktor des
Experimental and Clinical Research Center (ECRC), Charité, Universitätsmedizin Berlin, 13125 Berlin

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