MEDIZINREPORT: Studien im Fokus
Kurzstreckige Bauchaortenaneurysmen: Reichen längere Überwachungsintervalle aus?


In welchen Intervallen kurzstreckige (3,0–5,4 cm) Aortenaneurysmen per Ultraschall überwacht werden sollten, um eine drohende Ruptur frühzeitig zu erfassen, wurde in einer Metaanalyse von 18 Studien mit 15 471 Patienten untersucht. Dabei wurde das Rupturrisiko in Abhängigkeit von der Aneurysmagröße und der Größenzunahme mit der Zeit analysiert.
Das Ergebnis: Die Wachstumsrate ist abhängig von der Ausgangsgröße der Gefäßaussackung, sie nimmt mit jeder Größenzunahme von 0,5 cm um 0,59 mm/Jahr (95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,51–0,66) zu. Die Rupturrate steigt parallel um den Faktor 1,91 (95-%-KI 1,61–2,25). So dauert es zum Beispiel drei Jahre, bis ein Aneurysma von maximal 4,0 cm mit einer 10%igen Wahrscheinlichkeit auf eine kritische Größe von 5,5 cm zugenommen hat und mehr als 3,5 Jahre, bis das Rupturrisiko bei Männern 1 % beträgt.
So sind Überwachungsintervalle von drei Jahren bei 3,0–3,9 cm großen Aneurysmen und von zwei Jahren bei 4,0 bis 4,9 cm ausreichend, um das Rupturrisiko auf 1 % zu begrenzen. Aneurysmen von 4,5 bis 5,4 cm Größe erfordern jährliche Untersuchungen. Insgesamt dürften sich jedoch, so die Schlussfolgerung der Autoren, die Zahl der derzeit empfohlenen Kontrolluntersuchungen bei kleinen abdominellen Aortenaneurysmen deutlich reduzieren lassen. Dies gelte aber nur für Männer, bei Frauen gebe es bei vergleichbarer Größenzunahme der Gefäßveränderung ein etwa vierfach höheres Rupturrisiko.
Fazit: „Die Metaanalyse versucht, allgemeingültige Aussagen zu den Follow-up-Zeiten bei bekanntem Bauchaortenaneurysma zu treffen, hat aber deutliche Limitierungen“, erklärt Prof. Dr. med. Giovanni Torsello, Klinik für Gefäßchirurgie am St. Franziskus-Hospital Münster. Denn Untersuchungsintervalle von drei Jahren seien in der klinischen Praxis – abgesehen von Studienbedingungen – nicht umsetzbar. Außerdem sei die Todesursache während des Follow-ups nicht hinreichend validiert worden, so dass die Gefahr bestehe, die Zahl der tödlichen Rupturen zu unterschätzen. „Die Wachstums- und Rupturrate war in den berücksichtigten Studien unterschiedlich, ohne dass die Autoren diese Differenz hinreichend erklären konnten“, moniert Torsello. Ein Unterschätzen der Wachstumsrate könne aber dazu führen, dass der richtige Behandlungszeitpunkt mit weniger invasiven Behandlungsmöglichkeiten verpasst werde. Die Metaanalyse sollte die in Deutschland übliche Praxis nicht ändern, meint Prof. Torsello. Ein Bauchaortenaneurysma sollte aus seiner Sicht nicht drei Jahre lang unbeobachtet bleiben, sondern mittels einer regelmäßigen, mindestens jährlichen Ultraschalluntersuchung kontrolliert werden.
Christine Vetter
The RESCAN Collaborateurs: Surveillance intervals for small abdominal aortic aneurysms. JAMA 2013; 309: 806–13. MEDLINE
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