ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013EU-Tabakrichtlinie: Zielgruppe sind junge Menschen

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EU-Tabakrichtlinie: Zielgruppe sind junge Menschen

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2007 / B-1773 / C-1736

Spielberg, Petra

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Die EU hofft, durch eine Revision der seit 2001 geltenden EU-Tabakrichtlinie den Gesundheitsschutz in den europäischen Mitgliedstaaten verbessern zu können. Die Vorschläge rufen unterschiedliche Reaktionen hervor.

Abschreckende Schockbilder und warnende Texte auf Packungen sollen vom Rauchen abhalten. Foto: dpa
Abschreckende Schockbilder und warnende Texte auf Packungen sollen vom Rauchen abhalten. Foto: dpa

Zwölf Jahre, nachdem die derzeit gültige Tabakrichtlinie in Kraft getreten ist, stellt der Nikotinkonsum mit rund 700 000 Toten pro Jahr immer noch die Hauptursache für vermeidbare Todesfälle in der Europäischen Union (EU) dar. Die Neufassung der Vorschriften soll nun dafür sorgen, vor allem Kinder und Jugendliche vom Rauchen abzuhalten. Anfang Oktober verabschiedete das Europäische Parlament (EP) auf der Grundlage eines Vorschlags der EU-Kommission einen entsprechenden Gesetzentwurf.

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Das EP setzt dabei vor allem auf abschreckende Schockbilder wie Teerlungen, abgestorbene Füße oder verfaulte Zähne und warnende Textbotschaften, die künftig insgesamt 65 Prozent der Verpackungsfläche ausmachen sollen. Die EU-Kommission hatte 75 Prozent vorgeschlagen. Derzeit nehmen die Warnhinweise zwischen 50 und 60 Prozent der Verpackungsfläche ein.

Zusatz- und Geschmackstoffe, wie Menthol oder Fruchtaromen, die den Konsum attraktiver machen, sollen außerdem ebenso verboten werden wie Zigarettenpackungen mit weniger als 20 Glimmstängeln, so genannten Slim-Zigaretten. Künftig sollen nur noch Zusatzstoffe beigemischt werden dürfen, die als wissenschaftlich unbedenklich gelten.

Elektrische Zigaretten wiederum sollen nicht mehr als 30 mg/ml Nikotin enthalten. Eine grundsätzliche Einführung der Apothekenpflicht für diese Produkte hat das EP jedoch, anders als von der Kommission vorgeschlagen, abgelehnt. Die Arzneimittelvorschriften sollen für E-Zigaretten nur gelten, wenn sie als Mittel zur Heilung oder Verhütung von Krankheiten angeboten werden.

Kritik an den Vorschriften

Das Echo auf den Gesetzentwurf ist geteilt. Während Bundes­ärzte­kammerpräsident Prof. Dr. med. Frank Ulrich Montgomery die Entscheidung des EP als „wichtigen Schritt zu einem rauchfreien Europa“ begrüßt, bemängeln die Deutsche Herzstiftung (DHS) und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) die Fokussierung der Vorschriften auf junge Verbraucher. „Es wird impliziert, dass das Leben und die Gesundheit älterer Verbraucher weniger schützenswert ist, als das jüngerer Verbraucher“, heißt es in einer Stellungnahme. Anlass für die Kritik ist, dass Zigarren, Zigarillos und Pfeifen nicht unter die neuen Regelungen fallen sollen. Grund hierfür ist zum einen der geringe Marktanteil dieser Produkte von unter zehn Prozent. Die EU-Kommission weist ferner darauf hin, dass rund 70 Prozent aller Nikotinabhängigen schon mit unter 18 Jahren mit dem Rauchen anfangen.

„Es ist erwiesen, dass der Rauchverzicht eines Rauchers im 50. Lebensjahr die Lebenserwartung um sechs Jahre verlängert und auch im 60. Lebensjahr noch um drei Jahre“, halten die DHS und DGK dem entgegen. Die Ausnahmeregelung für Zigarren, Zigarillos und Pfeifen verstoße daher gegen das Diskriminierungsverbot in Artikel 3 des Grundgesetzes.

Auf breite Zustimmung stoßen hingegen die Vorschläge zur Vergrößerung der Warnbilder und -hinweise. So weist beispielsweise die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) darauf hin, dass Warnhinweise umso besser wahrgenommen werden, je größer sie sind. Kombinierte Informationen aus Bild und Text seien zudem effektiver als reine Textbotschaften. Schockbilder würden kanadischen und britischen Studien zufolge ferner vor allem Jugendliche davon abhalten, mit dem Rauchen anzufangen beziehungsweise sie zum Rauchstopp motivieren, macht die DKG deutlich.

Ob und inwieweit die Neuregelungen in Kraft treten, hängt nun davon ab, welche Änderungsvorschläge die EU-Mitgliedstaaten in den kommenden Monaten noch ins Gesetzgebungsverfahren einbringen. Danach haben die Regierungen dann zwei Jahre Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Petra Spielberg

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