ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Börsebius: Lästige Kunden

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Börsebius: Lästige Kunden

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2039 / B-1803 / C-1763

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Ziemlich viele Bausparer erhielten in den letzten Monaten Post der üblen Sorte und unerwartet zumal. In dürren Worten wurde dem Kunden mitgeteilt, der bestehende Vertrag müsse leider gekündigt werden, mit dem größten Bedauern und so weiter und so weiter. Für die größten Schlagzeilen sorgte hier die Wüstenrot, die sage und schreibe 15 000 Abschiedsbriefe verschickte. Doch nicht nur die Wüstenrot als zweitgrößte deutsche Bausparkasse trieb solche seltsamen Späßchen.

Etliche Landesbausparkassen, aber auch die Aachener Bausparkasse, das BHW und der Marktführer Schwäbisch Hall bliesen ins gleiche Horn und kündigten bestehende Verträge. Verständlich, dass diese Aktionen Tausende empörter Kunden in harsche Wut versetzte und letztlich in der Frage mündete: Dürfen die das denn überhaupt?

Zunächst einmal muss erklärt werden, dass der eigentliche Zweck eines Bausparvertrages erst das Ansparen einer gewissen Summe über einen längeren Zeitraum ist, um dann, wenn der Vertrag zuteilungsreif ist, das Recht auf einen dauerhaft zinsgünstigen Darlehensbetrag zu haben. Doch einige Bausparkassen lockten mit hohen Zinsversprechen „Fremdsparer“ ins Boot, die auch noch mit Boni belohnt wurden, wenn sie von vorneherein auf die zinsgünstigen Darlehen verzichteten. Und genau diese „übersparten“ Verträge fallen den Anbietern nun vor die Füße, weil die zu zahlenden Zinsen sich in manchen Einzelfällen auf bis zu fünf Prozent belaufen können und dies nach Meinung der Bausparkasse nicht mehr refinanzierbar sind. Daher dann auch der Versuch, zu retten was zu retten ist, also die Kündigung der teuren Verpflichtungen.

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Nun kommt den Anbietern genau dieser Umstand, dass diese Form des Fremdsparens eigentlich kein ursächliches Bausparen ist, zugute. Die weit überwiegende Rechtsmeinung geht davon aus, dass diese Altverträge ohne großen Aufwand gekündigt werden könnten und der Kunde im Zweifel zähneknirschend die Umstellung eines teuren Altvertrages akzeptieren müsse.

Manchmal schießen die Anbieter aber auch weit übers Ziel hinaus und kündigen Verträge, deren Rechtmäßigkeit meiner Meinung nach einer juristischen Prüfung nur schwer standhält. Das gilt etwa dann, wenn ein Vertrag zehn Jahre nach dem Eintritt der Zuteilungsreife gekündigt wird und hier rund 60 Prozent der Bausparsumme angespart sind. Der Rechtsgrundsatz des „Pacta sunt servanda“ schützt meines Erachtens wenigstens solche Kunden vor allerlei Unbill. Gottlob.

Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“

Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 9. November 2013 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-20). Die kostenlose Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.

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