ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Sachbuch: Kurzweilige Gesichtssammlung

KULTUR

Sachbuch: Kurzweilige Gesichtssammlung

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2032 / B-1798 / C-1758

Krannich, Hans-Walter

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„Die unterhaltendste Fläche auf der Erde für uns ist die vom menschlichen Gesicht.“ Diese Sentenz von Georg Christoph Lichtenberg stellt Hans Belting seinen „Faces“ voran. Der darin zum Ausdruck kommende Enthusiasmus hält das ganze Buch über an, nimmt den Leser mit. Der Autor hat sich der Herausforderung gestellt, über eine Dekade eine Geschichte des Gesichts als unterhaltsames, spannendes, vielschichtiges und lehrreiches Sachbuch zu verfassen. Er bekennt in seiner Einleitung: „Eine Untersuchung, die das Gesicht zum Thema hat, ähnelt einer Schmetterlingsjagd und muss sich oft mit Doubles oder Ablegern begnügen, die vom Leben und Geheimnis des Gesichts wenig preisgeben. So wird es in der Abfolge des Gedankengangs nicht immer systematisch zugehen, sondern oft zu abrupten Kurswechseln kommen, um andere Ansichten des Gesichts einzufangen.“ Das Frontispiz des Buches, das aus einem Film von Ingmar Bergmann stammt, zeigt für Belting die Suche nach dem Gesicht als Griff ins Leere, „denn das Gesicht hat sich in diesem Beispiel in ein fernes Bild zurückgezogen, das die Hände nicht ergreifen können“.

Dem Autor gelingt es in drei Kapiteln hervorragend, eine (europäische) Kulturgeschichte des Gesichts zu dokumentieren und grundlegende Überlegungen anderer Autoren überzeugend mit seinen eigenen Gedankengängen anschaulich zu verbinden. Das erste Kapitel „Gesicht und Maske in wechselnden Ansichten“ beschäftigt sich unter anderem mit „Mimik, Masken des Selbst und Rollen des Gesichts“. Kapitel zwei, „Porträt und Maske – Das Gesicht als Repräsentation“ geht unter anderem auf die Themen „Gesicht und Totenschädel. Zwei Ansichten im Widerspruch“, „Rembrandt und das Selbstbildnis“ sowie „Fotografie und Maske“ ein. Das dritte Kapitel widmet sich „Medien und Masken. Die Produktion von Gesichtern“, „Archive. Die Kontrolle über die Gesichter der Masse“ sowie dem „Video und Live Bild. Die Flucht aus der Maske“.

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Die Fotocollage mit Übermalung „Deisis, Ikone Christi“ von Konstantin Chudjakow aus dem Jahr 2004 ist die letzte Abbildung in „Faces“. In ihr hat das noch unklare Titelbild bei Baltings Suche nach einer „Geschichte des Gesichts“ – über den Umweg einer gelungenen Auswahl prägnanter Beispiele – ein nun klares, detailgetreues Pendant in En-face-Position gefunden. Insgesamt eröffnen sich dem Leser ungeahnte und unbekannte Perspektiven, regen zum Weiterdenken an.

Hans-Walter Krannich

Hans Belting: Faces. Eine Geschichte des Gesichts. Beck, München 2013, 343 Seiten, 128 teils farbige Abbildungen, gebunden, 29,95 Euro

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