ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Ethikberatung: Keine ausreichende Evidenz für Leitlinien
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In einer jüngst im DÄ erschienenen Arbeit kritisieren wir Versuche, „Klinische Ethikberatung“ beziehungsweise „Klinische Ethik Komitees“ (KEK) über letztlich unbelegte Leitlinien durchzusetzen. Wir erläutern und belegen exemplarisch, dass die theoretische Schlüssigkeit sowie die tatsächliche Verbreitung, Akzeptanz und Effektivität dieser „experimentellen“ Verfahren weit geringer ist, als behauptet. Wir danken für die vielen, überwiegend zustimmenden Zuschriften: Fast alle räumen ernste Defizite ein. Unsere Schlussfolgerungen werden meist unterstützt. Eine Widerlegung unserer Ausführungen gelingt nicht: Empirisch aussagekräftige Studienlagen sowie evidenzbasierte Literaturübersichten und Meta-Analysen, welche Leitlinien-Empfehlungen zu KEKs u. ä. belegen, können nicht angeführt werden. Eine DIVI-Arbeitsgruppe, an deren Empfehlungen sich die aktuelle Kontroverse entzündete, räumt nunmehr ein, dass die wissenschaftlichen Evidenzniveaus fragwürdig sind. Von dem ursprünglichen Versuch, die Einrichtung von „Ethikberatung“ und KEKs verbindlich „vorzuschreiben“, wird ausdrücklich abgerückt. Auch andere Organisationen, die „Leitlinien“ vergleichbaren Inhalts vorbereiten oder publiziert haben, dürften damit spätestens jetzt erhebliche Schwierigkeiten haben, diese objektiv und überzeugend zu begründen. Absehbar dürfte unseres Erachtens damit ein weiterer Versuch scheitern, KEKs u. ä. – mangels überzeugenden „eigenen“ Erfolgs – über wissenschaftlich und ethisch fragwürdige „Umwege“ „durchzusetzen“. Im Sinne eines zielführenden Diskurses ist die Schärfe einiger Zuschriften bedauerlich. An uns geäußerte Methodenkritik ist widerlegbar. Beides ist unseres Erachtens vor allem als „Ablenkungsmanöver“ angesichts der oben genannten Sachverhalte anzusehen.

Fazit: Die Beurteilung, was die ausgetauschten Positionen, Argumente und Darstellungsweisen über Kompetenz und Ansprüche in Bezug auf Wissenschaftlichkeit und Ethik in der Medizin aussagen, stellen wir mit Gelassenheit und Zuversicht in das Urteilsvermögen der Leserschaft. Maßgeblich sind in diesen Fragen vor allem die Ärzteschaft und die anderen Heilberufe. Deren Rückmeldungen sind ermutigend. Wir werden uns mit Kollegen und Mitarbeitern weiterhin und verstärkt dafür einsetzen, dass geeignete Strukturen ethischer Unterstützung in die Medizin „zurückgeholt“ werden.

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Literatur bei den Verfassern

Dr. med. habil. Meinolfus W. M. Strätling
Dr. med. Beate Sedemund-Adib

Universität zu Lübeck, Klinik für Anästhesiologie
Interdisziplinärer Forschungs- und Beratungsschwerpunkt „Ethik, Recht, Geschichte und
Didaktik im Spektrum der Klinischen Medizin“
23562 Lübeck

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