ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2013Keratokonus: Ringsegmente und Crosslink sind wirksam

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Keratokonus: Ringsegmente und Crosslink sind wirksam

Dtsch Arztebl 2013; 110(43): A-2021 / B-1787 / C-1749

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Beim Keratokonus hat die Hornhaut eine mechanische Schwäche. Dies führt zu Visuseinschränkungen, die mit Brille oder Kontaktlinse oft schwer korrigierbar sind. Die Augenkrankheit tritt üblicherweise im Kindes- oder Jugendalter auf. Bei circa 30 % der Betroffenen verläuft die Erkrankung aggressiv: Die Cornea wölbt sich abnorm vor, dünnt aus und kann im Extremfall reißen.

Eine vielversprechende und relativ junge Behandlungsmethode ist das corneale Crosslink. Bei dem Eingriff wird in lokaler Betäubung zunächst die äußerste Schicht der Hornhaut entfernt und danach Riboflavin (Vitamin-B2-Tropfen) aufgeträufelt. Anschließend wird die Hornhaut mit UV-Licht der Wellenlänge 370 Nanometer bis zu 30 Minuten bestrahlt. Für einige Tage danach muss der Patient eine Verband-Kontaktlinse tragen und Antibiotika lokal anwenden. Die Kombination des Riboflavins und des UV-Lichts führt im Hornhautgewebe zur Bildung von Quervernetzungen der Kollagens (crosslinks), die der Hornhaut mehr Stabilität geben.

Eine Studiengruppe der Universität Utrecht hat jetzt 1-Jahres-Resultate vorgelegt und in einem Kollektiv von 53 Augen von 42 Patienten einen Stop der Progression des Leidens in 91 % belegt (1). Sowohl bei Patienten (das Durchschnittsalter des Gesamtkollektivs lag bei 21 Jahren) mit mäßigem als auch bei solchen mit sehr starkem Keratokonus (ein sogenannter Kmax-Wert von mehr als 58 Dioptrien) wurden Verbesserungen der bestkorrigierten Sehschärfe erzielt: Der mittlere Visus stieg bei mäßigem Keratokonus im Jahr nach dem Crosslinking von 0,63 auf 1,0, bei starkem Keratokonus von 0,45 auf 0,63. Nennenswerte Komplikationen gab es nicht, einen Fehlschlag der Behandlung (Progression des Kmax-Wertes trotz Crosslink) trat in 9 % der Augen auf.

Eine ebenfalls auf Stabilisierung der Hornhaut abzielende Methode ist die Implantation kleiner Kunststoffringe (intrastromale Ringsegmente) in die mittlere Zellschicht der Hornhaut, das Stroma. 51 operierte Augen wurden in einer Studie spanischer Forscher (2) für fünf Jahre nachbeobachtet, die Patienten waren beim Eingriff im Schnitt knapp 30 Jahre alt. Nach sechs Monaten gab es erste Therapieerfolge, die sich auch über fünf Jahre als stabil erwiesen: Der Kmax-Wert wurde von präoperativ durchschnittlich 50,39 Dioptrien auf 48,02 Dioptrien gesenkt, der mittlere unkorrigierte Visus der Patienten stieg von 0,22 auf 0,35, der mittlere bestkorrigierte Visus von 0,53 auf 0,68. (2)

Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente
Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente
Grafik
Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente

Fazit: Beide Methoden, das corneale Crosslink und die Implantation intrastromaler Ringsegmente, führen bei den meisten Patienten zu einer Stabilisierung der Hornhauttopographie und verhindern das Einreißen. Es ist zu erwarten, dass die sehr invasiven perforierenden Keratoplastiken für Keratokonuspatienten mit diesen Optionen seltener werden.

Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Sloot F, Soeters N, van der Valk R, et al.: Effective corneal collagen crosslinking in advanced cases of progressive keratoconus. J Cataract Refract Surg 2013; 39: 1141–5. MEDLINE
  2. Vega-Estrada A, Alió JL, et al.: Outcomes of intrastromal corneal ring segments for treatment of keratoconus: Five-year follow-up analysis. J Cataract Refract Surg 2013 39: 1234–40. MEDLINE
Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente
Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente
Grafik
Mittlere Keratometrie-Werte im Fünf-Jahres-Verlauf nach Implantation intrastromaler Ringsegmente

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema