Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Patienten mit psychischen Grunderkrankungen leiden hoch signifikant häufiger an Zahnbehandlungsphobie als Gesunde (1). Für die betroffenen Patienten ist oftmals eine anästhesiologische Hilfestellung mit Vollnarkose für die zahnärztliche Therapie von großer Bedeutung, da sonst über ein Vermeidungsverhalten schwere zahnmedizinische Erkrankungen mit möglicher Verschlimmerung der psychischen Störung zu erwarten sind.

Im Gegensatz zur Phobie hat die „Angst vor dem Zahnarzt“ keinen eigenen Krankheitswert. Es besteht, insbesondere bei einer Vielzahl anderer effektiver Therapiemaßnahmen, keinerlei Indikation zur unkritisch verordneten Vollnarkose (2). Diesen Fakt griffen Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen bereits im Jahr 2007 auf und vergüten Narkoseleistungen bei zahnärztlichen Behandlungen für Patienten mit Zahnbehandlungsangst nur dann, wenn eine fachärztliche Bestätigung einer psychischen oder psychiatrischen Erkrankung vorliegt (Kapitel 5, EBM).

Die oft aus Komfortgründen banalisierte Behandlung beim Zahnarzt in Vollnarkose ist auch aus Sicht der Anästhesiologie sehr kritisch zu beurteilen, denn eine Vollnarkose ist wenig geeignet, Ängste bei der Zahnbehandlung abzubauen und birgt zusätzlich das Risiko ernsthafter Komplikationen. Die zahnärztliche Behandlung kann bei inaktiven Patienten erschwert sein (3) und in der Zahnarztpraxis werden zusätzliches medizinisches Equipment und Räumlichkeiten benötigt.

Ungeachtet davon bleibt die Indikation zur Vollnarkose unter anderem für die zahnärztliche Behandlung bei Kindern bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres, bei behinderten Patienten, bei Kontraindikation gegen Lokalanästhetika oder bei großen chirurgischen Eingriffen unangetastet.

Die Indikation „Angst“ sollte jedoch ausschließlich den psychiatrisch erkrankten und therapierten Patienten vorbehalten sein. Aus „Abrechnungsgründen“ sollte bei keinem gesunden Patienten eine Angststörung diagnostiziert oder bescheinigt werden.

Patienten mit Phobie dagegen sind einer Früherkennung und Therapie unbedingt zuzuführen. Nur damit kann diesen Patienten langfristig eine adäquate zahnärztlich Betreuung und Mundgesundheit zukommen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0751a

Im Namen des Vorstandes des Interdisziplinären Arbeitskreises Zahnärztliche Anästhesie (IAZA) der Fachgesellschaften DGZMK und DGAI und des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten.

Prof. Dr. med. Grietje Beck

Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie

Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH

Klinikum der Landeshauptstadt Wiesbaden

grietje.beck@hsk-wiesbaden.de

1.
Lenk M, Berth H, Joraschky P, Petrowski K, Weidner K, Hannig C: Fear of dental treatment—an underrecognized symptom in people with impaired mental health. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(31–32): 517–22 VOLLTEXT
2.
Gordon D: A critical review of approaches to treatment of dental anxiety in adults. J Anxiety Disord 2013; 27: 365–78 CrossRef MEDLINE
3.
Lee HH: Trends in death associated with pediatric dental sedation and general anesthesia. Pediatr Anaesth 2013; 23: 741–746 CrossRef MEDLINE
1.Lenk M, Berth H, Joraschky P, Petrowski K, Weidner K, Hannig C: Fear of dental treatment—an underrecognized symptom in people with impaired mental health. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(31–32): 517–22 VOLLTEXT
2.Gordon D: A critical review of approaches to treatment of dental anxiety in adults. J Anxiety Disord 2013; 27: 365–78 CrossRef MEDLINE
3.Lee HH: Trends in death associated with pediatric dental sedation and general anesthesia. Pediatr Anaesth 2013; 23: 741–746 CrossRef MEDLINE

    Leserkommentare

    E-Mail
    Passwort

    Registrieren

    Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

    Fachgebiet

    Alle Leserbriefe zum Thema

    Login

    Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

    E-Mail

    Passwort

    Anzeige