ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Zusammenhänge deutlich komplexer
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Fortbildungsbeiträge zur Palliativmedizin sind begrüßenswert und wichtig. Die Abschnitte zur medikamentösen Symptomlinderung in dem Beitrag (1) sind gut gelungen und geben den aktuellen Wissensstand wieder.

Die Beschränkung der Empfehlungen auf Patienten mit refraktärer Atemnot wird leider nicht stringent durchgehalten (zum Beispiel Titel, Definition der Lernziele S. 564, Algorithmus S. 567). Es wird zu wenig herausgestellt, dass die zitierte Evidenz aus Studien stammt, die explizit voraussetzen, dass jegliche tumorspezifische Therapie (Chemotherapie, Strahlentherapie oder Chirurgie) abgeschlossen oder nicht ausreichend wirksam ist.

Dadurch entstehen aus onkologischer Sicht gerade für die Betreuung von Patienten in der Palliativsituation essenzielle Defizite. Die konsequente Abklärung möglicher Ursachen für Dyspnoe und Husten ist auch im palliativmedizinischen Kontext ein wesentlicher Schritt zur bestmöglichen Behandlung (vergleiche dazu die aktuellen amerikanischen Leitlinien des National Comprehensive Cancer Network zur Palliativmedzin, Part Dyspnoe [2]).

Mit Hilfe einer einfachen Röntgen-Thoraxuntersuchung (wie von Bausewein und Simon vorgeschlagen) werden beispielsweise eine bei Tumorpatienten häufig auftretende Lungenembolie oder ein maligner Perikarderguss nicht abzuklären sein. Die medizinischen Zusammenhänge sind bei Tumorpatienten deutlich komplexer, als dies im cme-Beitrag zum Ausdruck kommt.

Auch fehlen in dem Artikel wesentliche Hinweise auf spezifische lokale Behandlungsoptionen wie zum Beispiel die Strahlentherapie als sehr wirksames und nebenwirkungsarmes Lokalverfahren bei tumor- oder metastasenbedingter Atemnot, Husten und Hämoptysen. Die Kommunikation kommt ebenfalls zu kurz. Wie auch in den kanadischen Leitlinien zur Linderung von Luftnot beschrieben, beginnt die präventive Behandlung von Atemnot bereits bevor der Patient symptomatisch wird, mit Patientenschulungen und Gesprächen über die effizienten symptomorientierten Behandlungsmaßnahmen, die bei Fortschreiten der Erkrankung eingesetzt werden können (3).

Moderne Onkologie lebt von einem interdisziplinären Behandlungsansatz für die zumeist lebensbedrohlich erkrankten Patienten. Eine palliativmedizinische Expertise ist dabei unverzichtbar (4) – und für diesen Hinweis sei den Autoren gedankt. Die derzeit in Arbeit befindliche S3-Leitline Palliativmedizin dürfte jedoch eine vollständigere Perspektive erlauben.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0753a

Dr. med. Birgitt van Oorschot

Interdisziplinäres Zentrum Palliativmedizin
Universitätsklinikum Würzburg

Oorschot_b@ukw.de

Prof. Dr. med. Dirk Rades

Klinik für Strahlentherapie

Universitätsklinikum Lübeck

für die Arbeitsgemeinschaft Palliative Strahlentherapie
und Palliativmedizin der DEGRO

Prof. Dr. med. Florian Lordick

Universitäres Krebszentrum Leipzig

für die Arbeitsgemeinschaft
Palliativmedizin der Deutschen Krebsgesellschaft (APM)

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bausewein C, Simon ST: Shortness of breath and cough in patients in palliative care. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(33–34): 563–72 VOLLTEXT
2.
National Comprehensive Cancer Network: NCCN Guidelines Version 2.2013 Palliative Care. PAL-11, https://subscriptions.nccn.org/gl_login.aspx?ReturnURL=http://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/palliative.pdf. Last aceesed on 30 September 2013.
3.
Cancer Care Ontario: Symptom Management Tools, Pocket Guide Dyspnoe. www.cancercare.on.ca/toolbox/symptools/, S. 2. Last aceesed on 30 September 2013.
4.
Smith TJ, Temin S, Alesi ER, et al.: American society of clinical oncology provisional clinical opinion: the integration of palliative care into standard oncology care. J Clin Oncol 2012; 30: 880–7 CrossRef MEDLINE
1.Bausewein C, Simon ST: Shortness of breath and cough in patients in palliative care. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(33–34): 563–72 VOLLTEXT
2.National Comprehensive Cancer Network: NCCN Guidelines Version 2.2013 Palliative Care. PAL-11, https://subscriptions.nccn.org/gl_login.aspx?ReturnURL=http://www.nccn.org/professionals/physician_gls/pdf/palliative.pdf. Last aceesed on 30 September 2013.
3.Cancer Care Ontario: Symptom Management Tools, Pocket Guide Dyspnoe. www.cancercare.on.ca/toolbox/symptools/, S. 2. Last aceesed on 30 September 2013.
4.Smith TJ, Temin S, Alesi ER, et al.: American society of clinical oncology provisional clinical opinion: the integration of palliative care into standard oncology care. J Clin Oncol 2012; 30: 880–7 CrossRef MEDLINE

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