ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Netzhautblutungen im Kindesalter: Weitwinkelfunduskamera erhöht Diagnosesicherheit

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Netzhautblutungen im Kindesalter: Weitwinkelfunduskamera erhöht Diagnosesicherheit

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2080 / B-1836 / C-1795

Gerste, Ronald D.

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Einblutungen der Netzhaut, meist als spritzerförmige Hämorrhagien bei der Ophthalmoskopie diagnostiziert, sind bei kleinen Kindern häufig Hinweis auf ein Schädeltrauma im Rahmen einer Misshandlung und bei sehr jungen Babys oft eine Geburtsfolge, die bis zu 6 Wochen nach der Geburt manifest sein können. In der pädiatrischen Intensivstation einer Londoner Kinderklinik wurde der Augenhintergrund von 159 Kinder fotografiert, die in einem Zeitraum von sechs Wochen als Notfall aufgenommen wurden. Angewandt wurde eine Weitwinkelfunduskamera (nach medikamentöser Pupillenerweiterung) mit einer 130 Winkelgrad umfassenden Sicht auf den Augenhintergrund. Ausgeschlossen wurden unter sechs Wochen alte Babys und solche mit Misshandlungstrauma.

15 % hatten Netzhautblutungen, ein höherer Anteil als aus der Literatur bisher vermutet. Je zur Hälfte lagen ein- oder beidseitige Blutungen vor. Bei 45 % waren die Blutungen auf das Zentrum des Augenhintergrundes beschränkt. Bei drei Viertel wurde das Ausmaß der Blutungen als leicht (weniger als 5 Blutflecken) oder moderat (5 bis 20 Blutungen) eingestuft, bei 25 % dieser Kinder lagen schwere Hämorrhagien mit mehr als 20 Einzelblutungen vor. Ursache waren Traumata, akute Leukämien, akutes respiratorisches Disstress-Syndrom, Meningokokkensepsis, schwerer kombinierter Immundefekt, zerebrales Aneurysma, Sinusthrombose, Pneumonie und pulmonaler Hochdruck.

Fazit: Die Augenhintergrunduntersuchung bei Kleinkindern in intensivmedizinischer Behandlung ist eine wichtige und wertvolle Ergänzung der neuropädiatrischen Untersuchung. Eine Einschränkung ergibt sich aus der Tatsache, dass es sich um ein Kontaktverfahren handelt; damit sei die Untersuchung bei wachen Kleinkindern in der Regel nicht möglich, kommentiert Prof. Dr. med. Birgit Lorenz, Universitätsaugenklinik Gießen. Aber: „Die Kamera erhöht die Sicherheit des augenärztlichen Frühgeborenen-Screenings und ist ein wichtiges Untersuchungsinstrument für die Kinderklinik.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Adams GGW, Agrawal S, Sekhri R, et al.: Appearance and location of retinal haemorrhages in critically ill children. Br J Ophthalmol 2013; 97: 1138–42.

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