ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Universitätsmedizin Halle: Zukunft weiter ungewiss

POLITIK

Universitätsmedizin Halle: Zukunft weiter ungewiss

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2064 / B-1825 / C-1785

Hibbeler, Birgit

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Universitätsmedizin in Halle soll erhalten bleiben. Doch in welcher Form, ist unklar. Das Wissenschaftsministerium in Sachsen-Anhalt will erst Ende 2013 Vorschläge vorlegen. Unterdessen erarbeitet man am Standort ein eigenes Konzept.

Bedrohung für den Standort: Wie sich die Sparpläne des Landes auf Fakultät und Uniklinik in Halle auswirken, ist noch offen. Foto: dpa
Bedrohung für den Standort: Wie sich die Sparpläne des Landes auf Fakultät und Uniklinik in Halle auswirken, ist noch offen. Foto: dpa

Die Universitätsmedizin in Halle an der Saale befindet sich weiterhin im Schwebezustand. Frühestens Ende 2013 wird entschieden, wie es mit dem Standort weitergeht. Dann will Hartmut Möllring (CDU), Minister für Wissenschaft und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt, ein Konzept vorlegen. Vor einigen Monaten war bekanntgeworden, dass dem Standort Einschnitte drohen. Der Grund: Sachsen-Anhalt plant deutliche Einsparungen im Hochschulbereich. Die Proteste in Halle gegen eine mögliche Schließung waren groß.

Anzeige

Der Wissenschaftsrat (WR) hatte in einem Gutachten unter anderem empfohlen, die Vorklinik in Halle zu schließen. Die Studierenden sollten den vorklinischen Studienabschnitt in Magdeburg absolvieren. Für Dr. med. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt, ist das nicht nachvollziehbar: „Gerade die Qualität der Vorklinik in Halle in Bezug auf Forschung und Lehre ist gut.“ Auch politisch seien diese Pläne nicht durchsetzbar. „Wir haben in Sachsen-Anhalt schon heute mit dem Ärztemangel zu kämpfen“, betont sie. Deshalb müssten beide Standorte – Halle und Magdeburg – erhalten bleiben und alle ausbildungsrelevanten Bereiche vorhalten. Würden im Land weniger Medizinstudierende ausgebildet, stünden später auch weniger Absolventen zur Verfügung. „Derzeit bleiben über 60 Prozent der Studierenden nach dem Examen in Sachsen-Anhalt. Das sehen wir an den Anmeldungen bei der Ärztekammer“, berichtet Heinemann-Meerz.

Halle will sein Profil schärfen

Die Universitätsmedizin Halle erarbeitet derzeit ein eigenes Zukunftskonzept. „Das ist wichtig, weil wir so zeigen, dass wir die Kompetenz haben, den Standort weiterzuentwickeln“, sagt Prof. Dr. med. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg. Die Vorschläge sollen dem Votum des WR etwas entgegensetzen. Das Konzept bezieht sich unter anderem auf die Profilbildung in der Forschung. „Wir werden nicht breit sein wie ein Pfannkuchen“, kündigt Gekle an. Die Schwerpunkte „Epidemiologie und Pflegeforschung“ sowie „Molekulare Medizin der Signaltransduktion“ sollen weiterentwickelt werden. Letzterer ist ein gemeinsames Projekt mit der naturwissenschaftlichen Fakultät. Ein Graduiertenkolleg zur posttranskriptionellen Kontrolle der Genregulation soll weiter medizinorientiert ausgebaut werden, im besten Fall zu einem Sonderforschungsbereich. „Dann hätten wir schon einmal einen ersten Pflock eingeschlagen, so dass der Standort im Bereich Forschung eine gewisse Sicherheit hätte“, meint Gekle. „Ein Sorgenkind ist noch die ausreichende Einbindung von Kliniken.“

Kein klares Signal der Politik

Halle will in einem zweiten Teil des Konzepts Vorschläge zur Zukunft einzelner Einrichtungen machen. „Wenn man eine solche Profilbildung macht, gibt es einen gewissen strukturellen Anpassungsbedarf“, erläutert Gekle. Derzeit werden alle Einrichtungen überprüft: Wie tragen sie zur Profilbildung bei? Sind sie für die Lehre erforderlich? Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus? „Da zeichnet sich schon was ab“, berichtet der Dekan. Konkretes dazu wollte er aber nicht sagen. Das Konzept müsse Mitte November in der Fakultät abgestimmt sein, um dann dem Aufsichtsrat und Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft vorgelegt werden zu können. Gekle appelliert an die Politik, sich zum Standort Halle zu bekennen. „Die Entscheidung muss jetzt gefällt werden, und dann brauchen wir Vertrauen über zehn Jahre.“

Dr. med. Birgit Hibbeler

@„5 Fragen an“ Simone Heinemann-Meerz: www.aerzteblatt.de/56201

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema