ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Chronische HCV-Infektion Genotyp 1: Viele Patienten können interferonfrei therapiert werden

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische HCV-Infektion Genotyp 1: Viele Patienten können interferonfrei therapiert werden

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2080 / B-1836 / C-1795

Warpakowski, Andrea

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Ein Großteil der Patienten mit chronischer Hepatitis-C-(HCV)-Infektion vertragen Interferon nicht, haben Kontraindikationen oder sind bereits erfolglos mit Interferon behandelt worden. Deshalb werden zurzeit verschiedene Kombinationen direkt antiviral wirkender Substanzen (DAA) ohne Interferon, zum Teil auch ohne Ribavirin geprüft. In die SOUND-C2-Studie wurden 362 unvorbehandelte Patienten mit HCV-Infektion Genotyp 1 aufgenommen und fünf Studienarmen zugeordnet: Faldaprevir 120 mg täglich (QD) plus Deleobuvir 600 mg dreimal täglich (TID) plus Ribavirin für 16, 28 oder 40 Wochen (TID16W, TID28W oder TID40W), Faldaprevir 120 mg täglich (QD) plus Deleobuvir 600 mg zweimal täglich (BID) plus Ribavirin für 28 Wochen (BID28W) oder Faldaprevir 120 mg QD plus Deleobuvir 600 mg TID ohne Ribavirin für 28 Wochen (TID28W-NR).

Den primären Endpunkt, anhaltendes virologisches Ansprechen (sustained virological response, SVR) 12 Wochen nach Ende der Therapie, erreichten jeweils 59 % mit TID16W und TID28W, 52 % mit TID40W, 69 % mit BID28W und 39 % mit TID28W-NR. Die Gesamtansprechrate war unabhängig von der Therapiedauer. Allerdings waren die Relapse-Raten bei Patienten mit Genotyp 1a in der TID16W-Gruppe höher als in den TID28W- und TID40W-Gruppe (41 % versus 0 % versus 6 %), während die Relapse-Raten bei Genotyp 1b in allen Studienarmen mit 0 bis 6 % niedrig waren. Der Unterschied der Ansprechrate mit den BID- und TID-Dosierungen in den BID28W- und TID28W-Gruppen war zwar nicht signifikant, aber mehr Patienten aus der TID28W-Gruppe als aus der BID28W-Gruppe beendeten die Studie vorzeitig, weil sie keine SVR zu Woche 12 erreicht hatten (15 % versus 4 %). Die niedrige Ansprechrate mit der Ribavirin-freien Therapie TID28W-NR basierte auf virologischen Durchbrüchen und häufigem Relapse.

Fazit: Die Studie bestätigt, dass ein Großteil der Patienten mit chronischer Hepatitis C Genotyp 1 mit einer Interferon-freien Therapie aus zwei DAAs und Ribavirin künftig geheilt werden kann: mit kürzerer Behandlungsdauer und besserer Verträglichkeit, sagt Prof. med. Jörg Petersen, Hamburg. Ob auch auf Ribavirin verzichtet werden kann, muss laut Petersen weiter eruiert werden.

Andrea Warpakowski

Zeuzem S, et al.: Faldaprevir and Deleobuvir for HCV Genotype 1 Infection. NEJM 2013; 369: 630–9.

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