ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Börsebius: Dickes Ende noch dicker

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Börsebius: Dickes Ende noch dicker

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2095 / B-1851 / C-1807

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Jetzt habe ich mich schon Jahre und mehrfach über offene Immobilienfonds ausgelassen. Erst fragwürdige Bewertungsmethoden kritisiert, dann über verzweifelte Anleger geschrieben, deren eingefrorene Fonds sie in existenzielle Nöte brachten. Und zum schlechten Ende habe ich über Probleme der Fondsgesellschaften berichtet, die in der Abwicklung große Gefahr laufen, ihre Objekte einfach zu billig auf den Markt werfen zu müssen, alles zulasten der Anleger, versteht sich. Kurzum, eigentlich wollte ich mich von dem Drama für einige Zeit verabschieden. Wenn alles gesagt ist, ist eben alles gesagt.

Die meisten Inhaber von geschlossenen Immobilienfonds, die mittlerweile voll im Abwicklungsprozess stehen, haben sich längst damit abgefunden, dass ihre Vermögensverluste immens sind, das dicke Ende also bereits einkalkuliert. Doch so einfach ist die Rechnung offenbar nicht. Das dicke Ende kann am Ende durchaus noch um einiges dicker werden.

Wie so oft steckt der Teufel bekanntlich im Detail und kommt aus der Überraschungsecke. Das Problem: Nach der Bekanntgabe der Auflösung fließen die Vermögenswerte innerhalb einer bestimmten Frist von der Fondsgesellschaft an die Depotbank. Das mag jetzt nicht der große Aufreger sein, ist es aber anscheinend eben doch. Der Fonds Morgan Stanley P2 Value etwa gab seine Auflösung etwa am 26. Oktober 2010 bekannt und per Ultimo September 2013 wurden die Objekte an die Depotbank übergeben. Und je nachdem, wie viele Objekte (also noch nicht verkaufte Immobilien) beim Übergang auf die Depotbank noch im Bestand sind, wird automatisch Grunderwerbsteuer fällig. Das gilt nicht nur für den P2, sondern zum gleichen Zeitpunkt auch für den Degi Europa und denen werden im Jahr 2014 noch der TMW Immobilien Weltfonds, Degi International und AXA Immoselect folgen.

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Das ist natürlich ein Riesenschlag für die ohnehin schon gebeutelten Anleger, müssen sie doch weitere Millionenabflüsse verkraften, die in die Taschen anderer, hier des Fiskus, fließen. Bis in die hohe Politik kochte das Thema hoch und wurde sogar im Finanzausschuss des Bundestages erörtert, doch bislang ohne Erfolg, die Steuer ist anscheinend nicht zu verhindern. So kann der Anleger immerhin vermelden, er habe mit der Wahl seines geschlossenen Immobilienfonds erst kein Glück gehabt und dann sei später noch Pech dazugekommen. Ein wirklicher Trost ist das nicht gerade.

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