ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Randnotiz: Die Entwertung der Abi-Note

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Randnotiz: Die Entwertung der Abi-Note

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2049 / B-1813 / C-1773

Hibbeler, Birgit

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Die doppelten Abiturjahrgänge haben an den medizinischen Fakultäten kein Chaos verursacht. Konnten sie auch nicht. Denn die Zahl der Studienplätze wurde nicht merklich erhöht. Nun hätte man denken können, zumindest die Zahl der Bewerber würde steigen. Auch das ist aber nicht der Fall. Sie bewegt sich mit 4,9 Bewerbern pro Studienplatz auf einem konstant hohen Niveau.

Offenbar hat das bundesweite Vergabeverfahren die Effekte aus den Ländern abgemildert, die nach und nach die Zeit bis zum Abitur von 13 auf zwölf Jahre verkürzten. Denkbar ist es aber auch, dass Bewerber schon im Vorfeld aufgeben, wenn sie sich die Abiturbestenquoten der letzten Jahre ansehen, nach denen immerhin 20 Prozent der Plätze vergeben werden. Zum Wintersemester 2013/14 lag die Abiturnote, die einen direkten Zugang zum Medizinstudium ermöglichte, für zwölf der 16 Bundesländer bei 1,0.

Wer sich an die eigene Schulzeit zurückerinnert, weiß: Solche Noten waren – zumindest bis in die Neunzigerjahre hinein – eine Rarität. Woher kommen also diese ganzen Einserkandidaten? Sind die Lehrer heute großzügiger, weil sie ihren Schützlingen die Zukunft nicht verbauen wollen? Gibt es eine Noteninflation?

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Objektivieren lässt sich das nicht. Der Kultusministerkonferenz zufolge haben sich seit 2006 die Notenmittel in den Ländern „nicht markant verbessert oder verschlechtert“. Die Daten aus der Zeit davor ließen sich mit den heutigen nicht vergleichen, weil sie anders erhoben worden seien. Gesamtzahlen für Deutschland seien nicht sinnvoll, weil man die Daten nicht vergleichen könne. Fazit: Will man in einem Bereich Transparenz verhindern, muss man ihn einfach zur Ländersache erklären.

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