ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2013Bürgschaftsbanken: „Kredithelfer“ in der Not

WIRTSCHAFT

Bürgschaftsbanken: „Kredithelfer“ in der Not

Dtsch Arztebl 2013; 110(44): A-2094 / B-1850 / C-1806

Vetter, Michael

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Akzeptiert die Hausbank die Kreditsicherheiten nicht, so gibt es für Praxisinhaber noch die Möglichkeit, sich an eine Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft zu wenden.

Praxisinhaber, die eine angemessene Kreditwürdigkeit (gemessen an ihrer Bonität und den Kreditsicherheiten) bieten können, sollten eigentlich keine Probleme bei Kreditanträgen bekommen. In der Realität entsprechen aber vor allem die bereitstehenden Sicherheiten häufig nicht den Anforderungen der Banken. Folgender Fall zeigt, welche Probleme auftreten können, und wie eine zuweilen unterschätzte Institution zur Problemlösung beitragen kann:

Christian M., ein Hausarzt aus Schleswig-Holstein, plant einen erheblichen Umbau seiner Praxis, der durch die Anstellung eines weiteren Kollegen sowie zusätzlicher Mitarbeiterinnen erforderlich wird. Bisher privat genutzte Räume sollen dazu umgestaltet werden. Darüber hinaus muss in die Praxisausstattung investiert werden. Nach den ermittelten Zahlen seines Steuerberaters kalkuliert M. mit einem zu finanzierenden Gesamtvolumen von rund 100 000 Euro, von denen er etwa die Hälfte aus eigenen Mitteln einbringen kann. Für den Restbetrag beantragt M. ein Praxisdarlehen bei seiner Hausbank. Dort nimmt M. seit Jahren einen Barkredit auf dem Geschäftskonto über 25 000 Euro und zwei weitere Praxisdarlehen von insgesamt rund 60 000 Euro in Anspruch. Dem stehen als Kreditsicherheiten die Abtretung eines Teils seiner Patientenforderungen und eine Verpfändung seiner bisherigen Praxisausstattung gegenüber. Zu einer Verpfändung der neu anzuschaffenden Praxisgeräte wäre M. ebenfalls bereit.

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Nachdem M. auf Grundlage der von seinem Steuerberater aufgearbeiteten betriebswirtschaftlichen Zahlen das erste Gespräch mit seinem Bankberater geführt hat, ist er enttäuscht. Ihm wurde mitgeteilt, dass „seine Kreditwürdigkeit derzeit kaum Spielräume für einen weiteren Kredit von 50 000 Euro zulasse“. Diese Einschätzung begründete die Bank mit der „nach wie vor unsicheren wirtschaftlichen Lage in der Medizin“ sowie mit angeblichen Unsicherheiten bezüglich der Rentabilität im Hinblick auf die zukünftig höheren Personalkosten. Dies verwunderte M. umso mehr, weil das Kreditinstitut einräumte, dass der Arzt die monatlichen Zins- und Tilgungsraten aufgrund seiner eigenen Ertragslage durchaus leisten könne. Erst nach hartnäckigem Nachfragen wird klar, und damit befand sich M. beim „Knackpunkt“ der Verhandlungen, dass die von ihm angebotene Geräteverpfändung als zusätzlicher Kreditsicherheit von der Bank nicht akzeptiert wird. Eine mögliche Verwertung, käme es später tatsächlich zu Kreditproblemen, könne angeblich „nicht Gewinn bringend durchgeführt werden“. Letztlich ging es also weniger um seine Bonität, sondern vielmehr um die Werthaltigkeit seiner Sicherheiten.

Der Tipp eines Kollegen

In dieser prekären Situation half M. der Zufall, als er mit einem Kollegen über dessen Erfahrungen mit einer Bürgschaftsbank sprach. Neugierig geworden, recherchierte M. zum Thema Bürgschaftsbanken. Diese als Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft zur Förderung vor allem mittelständischer Betriebe tätigen Institute werden von den Handwerkskammern, den Industrie- und Handelskammern, von Banken und Versicherungen sowie von Wirtschaftsverbänden, Innungen und Kammern der freien Berufe getragen. Ihre Aufgabe ist es, Bankbürgschaften für kurz- bis langfristige Kredite für wirtschaftlich vertretbare Zwecke zu übernehmen. Das Spektrum reicht von der Begleitung bei Existenzgründungen über Betriebsfinanzierungen mit Hilfe des Überziehungskredites bis zu Investitions- und Wachstumsfinanzierungen.

Wann geholfen wird

Allerdings muss erkennbar sein, dass die wirtschaftliche Lage des jeweiligen Betriebes eine Begleitung durch die Bürgschaftsbank auch zulässt. Dies setzt wiederum voraus, dass die Einnahmesituation auch eine langfristige Kapitaldienstfähigkeit zur Zahlung der Zins- und Tilgungsraten ermöglicht. Ebenfalls muss erkennbar sein, dass aus den Betriebseinnahmen Steuern und Entnahmen für einen angemessenen Lebensunterhalt finanziert werden können. Mittelfristig sollte darüber hinaus die Bildung eines Eigenkapitalpolsters möglich sein. Mangelt es also an der Rentabilität eines Betriebes, kann von Bürgschaftsbanken keine Unterstützung erwartet werden. Außerdem werden grundsätzlich geordnete finanzielle Verhältnisse ebenso vorausgesetzt wie die kaufmännische und fachliche Qualifizierung des Betriebsinhabers. Was die Kosten für eine solche Bürgschaft angeht, so muss mit einer einmaligen Bearbeitungsgebühr sowie mit einer jährlichen Avalprovision von jeweils etwa 1,5 Prozent gerechnet werden.

Für M. sollte sich wegen seiner „stabilen Ertragslage“ (Aussage seines Steuerberaters) ein Gespräch mit der Bürgschaftsbank lohnen. Es ist in diesem Fall also realistisch, dass sein Kreditwunsch mit Hilfe der Bürgschaftsbank wie vorgesehen realisiert wird.

Dieses Beispiel sollte auch andere betroffene Praxisinhaber ermutigen, mit Hilfe der Hausbank oder unmittelbar Kontakt zu der für das Bundesland zuständigen Bürgschaftsbank aufzunehmen und gegebenenfalls um Hilfe zu bitten.

Michael Vetter

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