ArchivDeutsches Ärzteblatt19/1996Anfallsprophylaxe bei Epilepsie: Patientenführung besonders wichtig

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Anfallsprophylaxe bei Epilepsie: Patientenführung besonders wichtig

Wehr, Alexander

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LNSLNS Die Frage, was nach einem erstmaligen Anfallsereignis zu tun und wie hoch das Wiederholungsrisiko ist, wurde unter Experten immer wieder kontrovers diskutiert. Tatsache ist, daß 50 Prozent der Patienten nach einem ersten Anfall bereits antiepileptisch behandelt werden. Methodische Unterschiede zwischen Untersuchergruppen ebenso wie unterschiedliche Auffassungen darüber, was als Provokationsfaktor für einen ersten Anfall gelten kann, hätten hierzu geführt, erklärte Professor Peter Wolf auf dem 3. EpilepsieIntensivseminar in Bethel, das die Desitin Arzneimittel GmbH veranstaltete. Den Ergebnissen einer von Wolf durchgeführten Studie zufolge kann die ausführliche Besprechung mit den Betroffenen über Auslösefaktoren die Entwicklung einer Epilepsie beeinflussen.
In die prospektiv konzipierte Studie wurden bis jetzt 35 Patienten mit überwiegend tonisch-klonischen Anfällen aufgenommen und über mindestens ein bis zu zehn Jahren nachbeobachtet. Als Ergebnis einer eingehenden Anamnese zeigte sich, daß nur bei zwei Patienten kein überzeugender Provokationsfaktor eruiert werden konnte. Bei den übrigen 33 Patienten war der Schlafentzug der wichtigste unspezifische, eine Photosensibilität der bedeutendste spezifische Auslösefaktor.
Wie wichtig das ärztliche Gespräch und die Aufklärung über die Risikofaktoren sind, verdeutlichen die Ergebnisse des ersten Katamnesejahres. Statt einer erwarteten Rezidivhäufigkeit von 13,7 Anfällen wurden tatsächlich nur vier Ereignisse registriert. Insgesamt beobachteten Wolf und Mitarbeiter zehn Anfälle. Das Rückfallrisiko war dabei unabhängig davon, ob der erste Anfall fokal oder generalisiert war, ob das EEG auffällig war oder ob die Patienten eine Pharmakotherapie erhielten. Nach den Worten Wolfs waren acht der zehn Anfälle wiederum durch die zuvor bekannten Provokatoren ausgelöst worden. Nur in vier Fällen entwickelte sich eine Epilepsie. Zum Zeitpunkt der letzten Erfassung waren 32 der 35 Patienten seit mehr als 12 Monaten anfallsfrei.
Nach Meinung des Epileptologen ist die Vermeidung definierter spezifischer und unspezifischer Auslöser eine besonders wichtige Prophylaxe, um die Entwicklung einer Epilepsie nach einem ersten, unprovozierten Anfall zu verhindern. Wolf stellte auch klar, daß ein epileptischer Anfall nicht mit der Diagnose "Epilepsie" gleichzusetzen sei. "Allerdings", so der Experte, "muß man den Patienten verdeutlichen, daß jeder Anfall einen Schritt in Richtung Epilepsie bedeutet." Die Indikation zur antiepileptischen Therapie ist bei jenen Patienten gegeben, die bereits mehr als einen Anfall gehabt haben und bei denen eine ausführliche Exploration keinerlei Auslösefaktor ergeben hat. Alexander Wehr
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