ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Frühgeborenenretinopathie: Frühe Vitrektomie bei aggressiver Erkrankung vorteilhaft

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Frühgeborenenretinopathie: Frühe Vitrektomie bei aggressiver Erkrankung vorteilhaft

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2136 / B-1885 / C-1836

Gerste, Ronald D.

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Bei Kindern mit Frühgeborenen-Retinopathie (ROP: retinopathy of prematurity) ist die Laserkoagulation des Augenhintergrundes die Methode der Wahl, um die Ausdehnung der pathologischen, durch die Sauerstoffatmung im Inkubator verursachten Netzhautveränderungen aufzuhalten und eine Netzhautablösung zu verhindern. Eine durch massive Proliferation von fibrovaskulärem Gewebe und durch schnelles Erreichen des finalen ROP-Stadiums 5 (komplette Amotio retinae) gekennzeichnete Sonderform, die aggressive posteriore Frühgeborenen-Retinopathie (AP-ROP), lässt sich mit der Laserapplikation in der Regel nicht stoppen. Die Ergebnisse der vitreoretinalen Eingriffe nach durch AP-ROP verursachter Netzhautablösung waren enttäuschend.

An der Augenklinik des japanischen Nationalen Zentrums für die Gesundheit und Entwicklung von Kindern in Tokio wurde bei Frühgeborenen mit dieser Retinopathieform früher als üblich, nämlich bei ersten Zeichen für eine Traktionsamotio, vitrektomiert. Dabei wird gleichzeitig auch die Linse des betroffenen Auges entfernt, deren refraktive Funktion später Kontaktlinsen übernehmen. 103 Augen wurden vitrektomiert. Die Patienten hatten zum Operationszeitpunkt ein durchschnittliches postmenstruales Alter von 37 Wochen, waren durchschnittlich nach 24 Schwangerschaftswochen auf die Welt gekommen und wogen 706 Gramm.

Bei 32 Patienten war im Laufe der Nachkontrolle eine Messung des Visus möglich; es wurden Sehschärfen zwischen 20/2 000 und 20/40 ermittelt. Immerhin fast 70 % dieser Augen hatten einen Visus von 20/250 oder besser. Vielleicht noch wichtiger für die visuelle Langzeitprognose ist die Frage, ob sich eine regelrechte Fovea – das für die Sehschärfe entscheidende Zentrum der Makula – ausbilden kann. Dies war bei all jenen Augen der Fall, bei denen operiert wurde, bevor die fibrovaskulären Veränderungen die Glaskörperbasis oder die Linsenoberfläche erreicht hatten.

Fazit: Bei einer besonders aggressiven Form der ROP kann durch frühzeitige Vitrektomie bei einigen Patienten ein fast altersentsprechender Visus erreicht werden. Welchen Stellenwert die frühe Vitrektomie bei dieser Variante der Frühgeborenenretinopathie bekommen wird, wenn mehr Daten zu Alternativen wie der Anti-VEGF-Therapie (Injektion von Bevacizumab zum Beispiel) vorliegen, bleibe abzuwarten, so die Autoren. Dr. med. Ronald D. Gerste

  1. Azuma N, et al.: Visual outcomes after early vitreous surgery for aggressive posterior retinopathy of prematurity. JAMA Ophthalmol 2013; 131: 1309–13. MEDLINE

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