ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Börsebius: Das blanke Entsetzen

GELDANLAGE

Börsebius: Das blanke Entsetzen

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2160 / B-1904 / C-1848

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Das waren noch Zeiten, als bei Tages- und Festgeld noch eine Drei vor dem Komma stand. Unfassbar schön und heute doch so unwirklich. Fünf Jahre ist das her, und viele Sparer trauern diesen paradiesischen Zeiten sehr nach. Was sich im Moment abspielt, löst bei vielen blankes Entsetzen aus. Es gibt praktisch keine oder nur noch kümmerlichste Zinsen in diesem Segment.

Die Gründe liegen auf der Hand und haben damit zu tun, dass die Geldinstitute von den Notenbanken mit Liquidität – weil politisch gewollt – geradezu überhäuft werden. Daher wird der Wettbewerb unter den Kreditinstituten um Einlagekunden praktisch außer Kraft gesetzt, die Banken haben es derzeit gar nicht nötig, nett zu den Kunden zu sein und vernünftige Konditionen zu bieten.

Das führt dann dazu, dass die Spitzenreiter unter den schlechtesten Anbietern mit gruseligen Sätzen ihre Kunden erschrecken. Die Ostsächsische Sparkasse zahlt 0,15 Prozent für das täglich verfügbare Tagesgeldkonto, die Sparda-Bank Hessen kommt auf 0,2 Prozent, und die Commerzbank erweist dem Namen „Topzins-Konto“ die allerschlechteste Ehre: Top sind 0,25 Prozent wahrlich nicht. Und Achtung: Wer mehr Zinsen bietet (GarantiBank 1,75 Prozent, Vakifbank 1,61 Prozent für Einjahresfestgeld), ist noch lange nicht erste Wahl. Ich persönlich würde mir das drei- oder viermal (oder länger) überlegen, dort zu investieren.

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Die global abgestimmte Geldpolitik führt also im Ergebnis dazu, dass die Sparer über die Inflationsrate einerseits und die mickrigen Zinsen andererseits quasi enteignet werden. Das gilt ja nicht nur für kurze Anlagezeiträume, sondern auch für Anleihen, wo es zinsmäßig auch nicht viel besser aussieht. Ob das der Sparer wirklich akzeptieren muss, weiß ich nicht. Aber er sollte als Wähler die Zusammenhänge verstehen und die Mitverantwortung der Politik in sein Kalkül einbeziehen.

Vor allen Dingen sollte ihn das Erschrecken ob der mickrigen Tages- und Festgelder nicht dazu führen, sich riskanten Anlageformen zu sehr zu nähern und windigen Hochglanzprospekten auf den Leim zu gehen. Was aber ist mit Aktien? Wer mutig ist, kann sich durchaus auf deutsche Qualitätstitel konzentrieren. Gleichwohl: Dividendentitel sind und bleiben Risikopapiere und nur für erfahrene Anleger geeignet. Oder gut beratene. Einmal blankes Entsetzen reicht.

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