ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Gesundheitspolitik: Falsche Anreize
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Es ist ja schön, dass die Ärzteschaft mit Versprechungen bezüglich Vergütung und Regelung der Versorgung umgarnt wird. Mit Geld und den richtigen Anreizen lässt sich ja bekanntlich alles regeln. Zudem haben die Krankenkassen ja Rekordsummen auf der hohen Kante, passt also alles perfekt.

Das, was langfristig die einzige vernünftige Maßnahme zur Rettung des Gesundheitssystems darstellt, wurde jedoch in den Interviews nur in einem Nebensatz behandelt. Auch wenn es manch einer nicht wahrhaben will, ist und bleibt das Gesundheitswesen ein Markt. Es ist aber ein komischer Markt, der so niemals in einem anderen Sektor funktionieren würde, denn hier werden verschieden gute Leistungen gleich vergütet. Wo also liegt der Anreiz einer Klinik, nicht nur viel zu operieren, sondern vor allem gut zu behandeln? In der Hingabe zum guten ärztlichen Handeln, das von ökonomischen Anreizen und Druck der Verwaltungen zunehmend verdrängt wird? Natürlich ist es schwierig, Outcome-Messungen zu implementieren, und zudem bedeuten sie auch einen höheren bürokratischen Aufwand. Aber von diesen Daten profitieren langfristig alle. Wenn Krankenkassen bessere Leistungen auch besser bezahlen, was ja nur logisch ist, da weniger Folgekosten entstehen, so hätten die Klinikverwaltungen den Anreiz, solche Daten auch zu veröffentlichen. Junge Ärzte würden nicht zuerst lernen, welche OP-Kodierung am meisten einbringt, sondern welche Behandlung die langfristig beste ist. Und die Patienten? Diese informieren sich zunehmend eh schon in Internetportalen über Ärzteratings und Behandlungen, und dies wird noch zunehmen. Denn der Patient von morgen wird nicht mehr nur ins nächstgelegene Krankenhaus oder zum nächstgelegenen niedergelassenen Kollegen gehen, sondern zu dem, der ihm seiner Meinung nach die beste Versorgung ermöglicht. Wäre es nicht toll, wenn der Patient dann auch noch auf valide objektive Daten zurückgreifen könnte, um diese Entscheidung zu treffen?

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Dr. med. Vincent Ruland, Assistenzarzt,
Universitätsklinikum Münster, 48149 Münster

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