ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Metastasiertes kolorektales Karzinom: Vor Panitumumabtherapie sollten mehrere RAS-Mutationen ausgeschlossen sein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes kolorektales Karzinom: Vor Panitumumabtherapie sollten mehrere RAS-Mutationen ausgeschlossen sein

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2136 / B-1885 / C-1836

Siegmund-Schultze, Nicola

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Darmkrebspatienten mit Mutationen in Exon 2 des KRAS-Gens sprechen nicht auf eine Anti-EGFR-Behandlung an. Seit längerem wird diskutiert, dass weitere Veränderungen von RAS-Genen prädiktiv sein könnten für die Resistenz der Tumoren gegen eine Anti-EGFR-Therapie. Diese Frage ist in einer vordefinierten retrospektiven Subgruppenanalyse der PRIME*-Studie untersucht worden. Darin wurden Effektivität und Sicherheit der Kombination des monoklonalen Antikörpers Panitumumab mit FOLFOX4 (Fluorouracil, Oxaliplatin, Leukovorin) bei metastasiertem kolorektalem Karzinom gegen FOLFOX allein geprüft. Primärer Endpunkt der Studie mit 1 183 Patienten war das progressionsfreie Überleben, sekundäre Endpunkte Gesamtüberleben und Sicherheit.

In eine Subgruppenanalyse wurden Daten von 639 jener 656 Patienten eingeschlossen, deren Tumoren keine KRAS-Mutation (Exon 2) hatten. Bei diesen 639 Teilnehmern wurde zusätzlich der Status von KRAS Exon 3 oder 4 und von NRAS Exon 2, 3 oder 4 (RAS-Mutationen) plus BRAF Exon 15 untersucht. 512 Probanden ohne RAS-Mutationen in den Biopsaten hatten unter Panitumumab-FOLFOX ein progressionsfreies Überleben von 10,1 Monaten versus 7,9 Monate mit Chemotherapie allein (Hazard Ratio [HR] für Progression oder Tod unter Kombination 0,72; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,58–0,90; p = 0,004). Das Gesamtüberleben betrug 26,0 Monate im Kombinationsarm und 20,2 Monate unter FOLFOX4 allein (HR für Tod 0,78; 95-%-KI 0,62–0,99; p = 0,04). In der Subgruppe ohne RAS- und ohne BRAF-Mutationen betrug der Unterschied zwischen zusätzlicher Antikörpergabe und FOLFOX4 allein 7,4 Monate beim Gesamtüberleben. BRAF-Mutationen waren prognostisch ungünstig für das Überleben von Patienten ohne KRAS-Mutation (Exon 2) und mit NRAS-Mutationen (Exon 3).

Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein
Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein
Grafik
Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein

Fazit: Die Nutzen-Risiko-Relation der Kombination Panitumumab/ FOLFOX4 bei metastasiertem kolorektalem Karzinom wird optimiert, wenn Patienten mit RAS-Mutationen im Tumor ausgeschlossen werden. Prof. Dr. med. Michael Geißler, Esslingen, kommentiert: „Bisher ist bei Patienten mit Option auf eine Anti-EGFR-Therapie der KRAS-Status getestet worden. Jetzt sollten die Tests obligatorisch um den NRAS-Status erweitert werden, um Patienten, bei denen ein Ansprechen erwartet werden kann, möglichst gut zu identifizieren.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Douillard J-Y, Oliner KS, Siena S, Taberno J, et al.: Panitumumab-FOLFOX4 treatment and RAS-mutations in colorectal cancer. NEJM 2013; 369: 1023–33. MEDLINE

*PRIME: Panitumumab Randomized Trial in Combination with Chemotherapy for Metastatic Colorectal Cancer to Determine Efficacy

Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein
Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein
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Gesamtüberleben von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom (ohne RAS-Mutationen) unter Panitumumab plus FOLFOX4 oder unter FOLFOX allein

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