ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Abstossung von Nierentransplantaten: C1q-bindende Antikörper lassen Abstoßungsrisiko gut abschätzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Abstossung von Nierentransplantaten: C1q-bindende Antikörper lassen Abstoßungsrisiko gut abschätzen

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2137 / B-1886 / C-1837

Siegmund-Schultze, Nicola

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Abstoßungen von Organtransplantaten zu verhindern, ist ein wesentliches Ziel der Nachsorge von Patienten. Dabei wird die Immunantwort auf das Allotransplantat beobachtet durch die Suche nach HLA-Antikörpern, meist durch Festphasenassays wie die Luminex-Technologie: HLA-Antigene werden auf Mikropartikeln fixiert und die Bindung von Antikörpern aus dem Organempfängerserum über Fluoreszenzsignale nachgewiesen. Die Bewertung der Ergebnisse dieser sehr sensitiven Methode kann schwierig sein, weil in positiven Seren eine Vielzahl von Spezifitäten nachgewiesen wird, ohne dass sich daraus erkennen ließe, welche Anti-HLA-Antikörper dem Transplantat schaden könnten und eine Anpassung der Abstoßungsprophylaxe zur Folge haben sollten. Deshalb wird versucht, das Monitoring durch eine funktionelle Differenzierung der Antikörper zu verbessern.

Eine Forschergruppe hat in einer Population von 1 016 Nierenempfängern untersucht, ob das Auftreten von C1q-bindenden, donorspezifischen Antikörpern (C1qDSA) prognostische Bedeutung für das Auftreten von Abstoßungen hat (1). Die Bindung von Antikörpern an C1q ist der erste Schritt der klassischen Aktivierung der Komplementkaskade (C). Die Forscher verwendeten ebenfalls die Luminex-Technologie, allerdings mit der Erweiterung, dass die C1q-Bindung der DSA nachgewiesen wurde.

Von allen Subgruppen fand sich bei Patienten mit C1qDSA binnen 5 Jahren das schlechteste Transplantatüberleben, nämlich 54 %. Dagegen funktionierten in der Gruppe der Patienten mit nicht-komplementbindenden DSA im selben Zeitraum 93 % der Nieren und in der Gruppe ohne DSA 94 % der Transplantate (p < 0,001 für beide Vergleiche). Komplementbindende DSA waren mit einem mehr als vierfach erhöhten Risiko für einen Transplantatverlust assoziiert (Hazard Ratio 4,78; 95-%-Konfidenzintervall 2,69–8,49), stärkeren Gewebeschäden mit ausgeprägter mikrovaskulärer Entzündung und Ablagerungen von C4d in den Kapillaren des Transplantats. Ein weiteres Ergebnis der Studie war, dass C1qDSA größere prognostische Bedeutung haben als C4dDSA, und die Integration des Parameters „C1qDSA“ in einen Score zur Abschätzung des Abstoßungsrisikos erhöhte signifikant dessen Vorhersagekraft.

Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status
Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status
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Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status

Fazit: Das Auftreten von C1q-bindenden, donorspezifischen Antikörpern bei Nierenempfängern ist mit einem stark erhöhten Abstoßungsrisiko assoziiert. Die Bedeutung für das Routinemonitoring müsse geprüft werden, heißt es im Kommentar (2). In Protokolle klinischer Studien sollten Tests auf C1qDSA aber künftig aufgenommen werden.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Loupy A, et al.: Complementbindung anti-HLA antibodies and kidney-allograft survival. NEJM 2013 ; 369: 1215–26. MEDLINE
  2. Racusen LC, et al.: C1q-binding antibodies in kidney transplantation. NEJM 2013; 369: 1266–7. MEDLINE
Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status
Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status
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Überleben von Nierentransplantaten in Abhängigkeit von donorspezifischen Antikörpern (DSA) und C1qDSA-Status

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