ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Versicherung: Landärzte haben keinen Vorteil
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Überall lese ich über die Wichtigkeit des dualen Systems (PKV versus GKV), der ärztlichen Freiberuflichkeit und des tollen, wachsenden Gesundheitsmarktes.

Den Ärztemangel auf dem Lande wird man damit kaum in den Griff bekommen. Die gelobte Quersubventionierung aus den PKV gibt es für uns Landärzte nicht. Privatpatienten sind selten; wenn, dann sind es Bauern, Postler und Eisenbahner. Viele haben Selbstbeteiligungen und meiden tunlichst den Kontakt zum Doktor, um auch ja nur die „2“ abgerechnet zu bekommen. Da ich keinen Sinn darin sehe, bei Privatpatienten zusätzliche (sinnlose) Leistungen zu erbringen, liegt der Fallwert meiner Privaten kaum über dem meiner Kassenpatienten. Dubiose IGeL will ich nicht anbieten. Warum für sinnvolle IGeL bezahlt werden muss, ist kaum zu vermitteln (der vielzitierte Anwalt, der auch privat bezahlt wird, muss sich nicht mit einem Nebeneinander aus EBM, GOÄ und IGeL herumschlagen). Beispiel: Ein Patient möchte über seinen Impfstatus Bescheid wissen, wir klären es ab. Dann fragt er: „Und was muss ich bei meiner Reise beachten?“ Da rufe ich laut: „Stopp, das ist IGeL, unterschreiben Sie mal hier und da, und kommen Sie morgen wieder.“ Nachdem er bezahlt hat, sage ich dann: „Frankreich? Da brauchen Sie nix!“

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Für eine hochbezahlte, nutzlose Schickimicki-Gesundheitsvorsorge haben meine Patienten kein Geld (und ich keine Lust, ich bin Arzt geworden und nicht Ökonom) . . .

Wir brauchen ein einfaches, gerechtes und transparentes System der Vergütung, kein Flickwerk an einem System, das nur einigen nutzt. Landarzt ist ein toller Beruf, der außer vollmundiger Versprechen leider keinen Rückhalt in der Politik, bei den Kassen oder selbst den eigenen Berufsverbänden hat.

Dr. med. Gerrit Tarrach, 25693 St. Michaelisdonn

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