ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Urologen gründen Zentrum für evidenzbasierte Medizin

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Urologen gründen Zentrum für evidenzbasierte Medizin

Dtsch Arztebl 2013; 110(45): A-2104 / B-1860 / C-1816

EB

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Die Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU) hat den Grundstein für den Aufbau eines Zentrums zur Verbesserung des Wissenstransfers aus der klinischen Forschung in die tägliche Praxis gelegt. Durch den Namen UroEvidence signalisiert die DGU, dass medizinische Interventionen und Diagnostiken auf dem Boden gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren sollten und unterstützt als eine der ersten medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland die konsequente wissenschaftliche Arbeit im Bereich der evidenzbasierten Medizin.

Mit UroEvidence reagiert die Fachgesellschaft auf Probleme, die im ärztlichen Alltag auftreten. Es ist bekannt, dass neues medizinisches Wissen aus klinischen Studien circa zehn bis 15 Jahre benötigt, bis es in die Routine zur Versorgung von Patienten eingeht. Zudem würden neue Therapieverfahren zum Teil überstürzt und ohne vorhergehende Nutzen-Risiko-Prüfung eingeführt, und bereits ausreichend erforschte Themengebiete gerieten in Vergessenheit, so die DGU. Dies könne unter Umständen zur Wiederholung von klinischen Studien führen, die aus ethischer Sicht nicht zu rechtfertigen seien.

Um der Flut von wissenschaftlichen Informationen zu begegnen, sollen nun systematische Übersichtsarbeiten zu einer konkreten klinischen Fragestellung erstellt werden. Hierbei wird eine systematische Literatursuche anhand einer vorher festgelegten Methodik nach den Empfehlungen der Cochrane Collaboration durchgeführt. Zu diesem Zweck erfolgt eine enge Kooperation mit dem Deutschen Cochrane Zentrum in Freiburg. Für UroEvidence arbeitet zudem ein Board von zehn urologischen Reviewern, die vom Deutschen Cochrane Zentrum für diese Arbeiten qualifiziert werden. Die Arbeitsgruppe wird statistisch vom Institut für Medizinische Biometrie und Informatik der Universität Heidelberg unterstützt.

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Die DGU betont, dass die Rolle des behandelnden Arztes bei der Evaluierung nicht übersehen werden dürfe, da seine Erfahrung nicht durch aktuelle Forschungsergebnisse ersetzt werden könnte. „Erst das Urteilsvermögen und der Sachverstand der Ärzte und Ärztinnen entscheiden darüber, ob Ergebnisse aus systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen auf den individuellen Patienten anwendbar sind.“ Das alleinige Präsentieren von wissenschaftlichen Erkenntnissen reiche nicht aus, um den Wissenstransfer in die Praxis zu verbessern. Dafür müssten die Erkenntnisse in Leitlinien münden. EB

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