ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2013Impfplan: Schlechte Honorierung
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Wen wundern die unzureichenden Impfquoten in Deutschland?

Im Impfwesen spiegelt sich beispielhaft die Verbürokratisierung der Medizin wider. Es gibt allein für die üblichen Impfungen schon weit mehr als 100 (!) verschiedene Abrechnungsziffern. Mal werden die Impfungen zulasten der GKV, mal als Privatleistung durchgeführt. Sie können Pflichtleistungen, freiwillige Leistungen oder ausgeschlossene Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sein. Der Impfstoff muss manchmal auf den Namen des Patienten verordnet werden, ein anderes Mal wird er über Sprechstundenbedarf angefordert. Bei Fehlern droht Nichtvergütung der Impfung oder Regress. Und ständig kommen neue Regelungen . . . Verständlich, dass da viele Praxen das Impfen wenig offensiv betreiben, zumal auch die schlechte Honorierung keinen Anreiz bietet.

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So muss zum Bespiel vor der Verabreichung einer einfachen Hepatits-B-Impfung (neben den Kontraindikationen, der Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen und der Erörterung von Impffolgeterminen etc.) vom Arzt geprüft und mit dem Patienten erörtert werden:

  • Kostenträger: Geht die Impfung zulasten der GKV (unter 18 Jahre alt), auf Kosten des Arbeitgebers (betriebliche Indikation) oder auf Privatrechnung (zum Beispiel Reiseimpfung)?
  • Impfstoffversorgung: Kann der Impfstoff aus dem Sprechstundenbedarf genommen werden, oder muss er individuell über Privatrezept verordnet werden?
  • Verschreibung: Bis vor kurzem durften Impfstoffe über Sprechstundenbedarf nur als „Impfstoff gegen . . . “ verordnet werden. Neuerdings muss wieder der Handelsname aufs Rezept – aber nur der eine, der in den Rabattverträgen ausgehandelt wurde, die gerade gültig sind (und wieder wechseln werden).
  • Abrechnung: Es gelten drei verschiedene Abrechnungsziffern für die Erst-, Zweit- und Auffrischimpfung und eine vierte Ziffer plus gesonderter Rechnungsstellung bei Privatleistung. Aber in Kombination mit der Hepatits-A-Impfung gelten jeweils andere Abrechnungsziffern, und die Impfung ist oft keine Kassenleistung mehr. Seit Juni ist sie allerdings etwa in Baden-Württemberg doch wieder unter Umständen Kassenleistung. Aber auch da, wo sie keine Kassenleistung ist, übernehmen die Krankenkassen häufig trotzdem die Kosten. Ähnlich kompliziert, aber in Details doch wieder anders geregelt, ist es bei vielen anderen Impfungen.

Dr. med. Volker Aschoff, 76131 Karlsruhe

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