EDITORIAL

Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung: Orientierung am Bedarf

PP 12, Ausgabe November 2013, Seite 481

Bühring, Petra

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Die Ausbildung zum Psychotherapeuten muss dringend reformiert werden. Damit wird sich die Politik in dieser Legislaturperiode beschäftigen müssen; vor allem aber die Psychotherapeuten selbst. Klar ist, dass das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium eine Direktausbildung präferiert, also ein Hochschulstudium der Psychotherapie mit Approbation und anschließender Weiterbildung. Die Psychotherapeuten sind in der Frage Direktausbildung oder nicht gespalten, wobei die Mehrheit sich mit den ordnungspolitischen Vorteilen einer solchen, der Anpassung an das System der Ärzte, anzufreunden scheint.

Eindeutig für eine Direktausbildung war immer schon die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung. Entsprechend hat sie eingeladen zu einem „Ideenwettbewerb“: Wie könnte eine Weiterbildung nach einem Direktstudium aussehen? Das Bild einer „Weiterbildungsstätte“, deren Strukturen die jetzigen Ausbildungsinstitute liefern könnten und sollten, skizzierte Dr. Walter Ströhm vom Deutschen Fachverband für Verhaltenstherapie. Er wies darauf hin, dass die Ausbildungskandidaten für eine dreijährige Verhaltenstherapieausbildung derzeit fast immer eineinhalb Jahre länger brauchten, weil sie diese selbst finanzieren müssen, sich zwischen eventueller Halbtagstätigkeit in der Klinik und dem Ausbildungsinstitut häufig aufrieben. Eine vernünftige Weiterbildung könne nur funktionieren, wenn ein Gehalt analog zu dem von Assistenzärzten gezahlt würde, also etwa 4 000 Euro monatlich, forderte Ströhm vorsichtig.

Diese Forderung sei die einzig richtige, erklärte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. med. Andreas Köhler, in einem engagierten Vortrag. Natürlich müssten künftige Psychotherapeuten wie Fachärzte vergütet werden. Denn man brauche sie dringend in der Versorgung der immer älter werden Bevölkerung. Psychotherapeuten könnten Koordinationsaufgaben übernehmen. „Wir haben eine Zunahme der psychosozialen Krankheitsbilder – das schaffen die Ärzte nicht alleine, auch aufgrund ihrer eigenen Altersstruktur“, sagte Köhler. Prävention, Rehabilitation und supportive Therapie müssten Bestandteil der psychotherapeutischen Weiterbildung werden, weit über die Richtlinien-Psychotherapie hinaus. Mehr somatische und sogar pharmakotherapeutische Kompetenzen hält Köhler für künftig wichtig. „Die Psychotherapeuten müssen sich am Bedarf in der ambulanten Versorgung ausrichten.“ Dazu sollte die Aus- und Weiterbildung an die der Ärzte angepasst werden: sechs Jahre Vollstudium mit Approbation. Dann eine mindestens fünfjährige Weiterbildung, davon zwei Jahre praktische stationäre Tätigkeit und zwei Jahre ambulant. Geregelt werden sollte all das in einem Verbundweiterbildungssystem, koordiniert von den jetzigen Ausbildungsinstituten auf der Grundlage einer (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung der Bundes­psycho­therapeuten­kammer. Finanziert werden sollte die Weiterbildung nach Köhlers Ansicht als Vorwegabzug aus dem Gesundheitsfonds, eine Anpassung des Orientierungswertes sei dafür unabdingbar.

Auf dem nächsten Psychotherapeutentag Mitte November in Kiel soll ein Kompetenzprofil für den künftigen Beruf des Psychotherapeuten diskutiert werden. Die Vorschläge oder besser Forderungen des KBV-Vorsitzenden müssen dabei Thema sein.

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