ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2013Anorexia nervosa: Störungsspezifische Psychotherapie ist wirksam

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Anorexia nervosa: Störungsspezifische Psychotherapie ist wirksam

PP 12, Ausgabe November 2013, Seite 508

idw; Bühring, Petra

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Erwachsene magersüchtige Patientinnen, die nicht zu schwer erkrankt sind, können mit psychotherapeutischer Behandlung erfolgreich ambulant behandelt werden. Zwei neue psychotherapeutische Verfahren bieten hierzu verbesserte Therapiechancen. Allerdings kann einem Viertel der Patientinnen nicht schnell geholfen werden. Dies hat die weltweit größte Therapiestudie zur Magersucht gezeigt. Die ANTOP-Studie („Anorexia Nervosa Treatment of Out Patients“) wurde an zehn deutschen universitären Essstörungszentren unter Federführung der Abteilungen für Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken Tübingen (Leitung: Prof. Dr. Stephan Zipfel) und Heidelberg (Leitung: Prof. Wolfgang Herzog) durchgeführt.

Bislang fehlten große klinische Studien, die die Wirksamkeit verschiedener Psychotherapieverfahren vergleichend untersuchten. Dies steht im Widerspruch zur Schwere der Erkrankung, die im Langzeitverlauf in bis zu 20 Prozent zum Tode führt. Sie ist damit die gefährlichste aller psychischen Erkrankungen. „Betroffene leiden zudem oft ihr ganzes Leben lang unter psychischen oder körperlichen Folgen der Magersucht“, erklärt Zipfel. Überzeugende Untersuchungen zu spezifischen Therapieprogrammen fehlen bislang. Außerdem ist weitgehend ungeklärt, welche Form der Psychotherapie am effektivsten ist.

Die ANTOP-Studie, bei der 242 erwachsene Patientinnen insgesamt 22 Monate (zehn Monate Therapie, zwölf Monate Nachbeobachtung) begleitet wurden, lässt nun erstmals Schlussfolgerungen über die Wirksamkeit verschiedener Psychotherapien zu. Bei drei Gruppen von 82 beziehungsweise je 80 Patientinnen kam jeweils ein anderes Psychotherapieverfahren zum Einsatz: Zwei Verfahren, die speziell für die ambulante Behandlung dieser Erkrankung angepasst worden waren, und eine optimierte Form der derzeit praktizierten Standard-Psychotherapie. Für die spezifischen Therapien wurden gemeinsam mit internationalen Essstörungsexperten Behandlungsmanuale entwickelt. Sie umfassten 40 ambulante Einzelsitzungen über einen Zeitraum von zehn Monaten.

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Verglichen wurden die drei Psychotherapieverfahren: 1. Die fokale psychodynamische Psychotherapie bearbeitet in Therapiesitzungen die ungünstige Gestaltung von Beziehungen sowie Beeinträchtigungen bei der Verarbeitung von Emotionen. 2. Die kognitive Verhaltenstherapie hat zwei Schwerpunkte: die Normalisierung des Essverhaltens und Gewichtssteigerung sowie die Bearbeitung der mit der Essstörung verbundenen Problembereiche. 3. Die Standard-Psychotherapie wurde als optimierte Regelversorgung von erfahrenen Psychotherapeuten durchgeführt, die sich die Patientinnen selbst aussuchen konnten. Ergänzend waren die Hausärzte in die Therapie eingebunden; die Patientinnen besuchten ergänzend fünfmal das jeweilige Studienzentrum.

Die magersüchtigen Patientinnen in allen drei Gruppen hatten nach Therapieende und einem weiteren Jahr Nachbeobachtung deutlich an Gewicht zugenommen. Ihr BMI hatte durchschnittlich um 1,4 BMI Punkte (entspricht durchschnittlich 3,8 kg) zugelegt. „Insgesamt zeigten die beiden neuen Therapieformen im Vergleich mit der optimierten Standardtherapie Vorteile“, sagt Zipfel. „Am Ende unserer Studie war die fokale psychodynamische Therapie am erfolgreichsten; die spezifische kognitive Verhaltenstherapie führte demgegenüber zu einer schnelleren Gewichtszunahme.“ Außerdem mussten die psychodynamisch behandelten Patientinnen seltener zusätzlich stationär behandelt werden. Die Akzeptanz der beiden neuen Psychotherapien war bei den Patientinnen sehr hoch. Dennoch litt auch ein Jahr nach Ende der Therapie etwa ein Viertel der Patientinnen immer noch unter dem Vollbild der Magersucht. idw, pb

Zipfel et al.: Focal psychodynamic therapy, cognitive behaviour therapy, and optimised treatment as usual in outpatients with anorexia nervosa (ANTOP study): randomised controlled trial. The Lancet Published Online October 14, 2013 http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(13)61746-8

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