ArchivDeutsches Ärzteblatt PP11/2013Psychosomatik und Psychotherapie: Störungsspezifische Ausrichtung

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Psychosomatik und Psychotherapie: Störungsspezifische Ausrichtung

PP 12, Ausgabe November 2013, Seite 518

Ploeger, Andreas

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In dieser dritten Denkschrift zur Lage der psychosomatischen Medizin und Psychotherapie in Deutschland berichten 43 Autoren auf 156 Seiten in dichter Abfolge der Mitteilung über alle Aspekte der Psychosomatik und Psychotherapie. Ebenso wird die Indikation von Therapieverfahren unter dem Stichwort „Leitlinienorientiert“ beschrieben. „Burn-out“ und „Internetsucht“ als möglicherweise neue Erkrankungen werden untersucht.

Die Möglichkeiten der Fachärzte für psychosomatische Medizin, aber auch die Anwendung dieser Disziplin in Krankenhäusern werden dargelegt. Schließlich sind die Konsiliar- und Liasondienste eine Form der psychotherapeutischen Versorgung in Allgemeinkrankenhäusern. Rehabilitation, Prävention sowie Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter werden erörtert.

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Besonders ausführlich werden die medizinische Lehre an den Universitäten, aber auch im Rahmen der Facharztweiterbildung sowie die Qualifizierung in der Psychosomatik und Psychotherapie als Wissenschaft herausgestellt. Denn dieses Fach wurde mit der seit 1974 gültigen „Approbationsordnung“ in die akademische Lehre eingeführt. Wie auch im Buch beklagt, wird dieser Fortschritt gegenwärtig durch Wiedereinverleibung des Faches Psychosomatik, Psychotherapie in die Psychiatrie zunichtegemacht. Das Buch schließt mit der Beschreibung der psychotherapeutischen Qualifizierungswege über den Facharzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie den „fachgebundenen Zusatztitel“.

Insgesamt gibt die schmale Denkschrift in sehr dichter Folge unter teilweise gedrängtem Sprachstil eine Fülle von Informationen zu den diversen Aspekten von Psychosomatik und Psychotherapie im Gesundheitswesen wieder. Die zentrale Tendenz der gegenwärtigen Forschungsrichtung in der Psycho-Medizin, nämlich die Erkenntnis der Verbindung zwischen bestimmten seelischen mit bestimmten Hirnfunktionen wird an diversen Stellen deutlich. Inwieweit diese Forschungsrichtung allerdings der vorwiegend an Kommunikation gebundenen Psychotherapie neue Aktionsmöglichkeiten vermittelt, bleibt offen. Oder entwickelt sich die Psychotherapie immer mehr zu einer Hirnchirurgie?

Ein zweiter bedeutsamer Effekt ist, dass die Indikation zur Anwendung von bestimmten Psychotherapieformen sich immer mehr nach der zu therapierenden Erkrankung beziehungsweise Störung richtet. Mit dieser Entwicklung wird die früher fast ideologisch anmutende Schulenbindung überwunden. Andreas Ploeger

Wolfgang Herzog, Manfred E. Beutel, Johannes Kruse (Hrsg.): Psychosomatische Medizin und Psychotherapie heute. Zur Lage des Fachgebietes in Deutschland. Schattauer, Stuttgart 2012, 156 Seiten, kartoniert, 24,99 Euro

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