ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenDiabetologie 1/2013Künstliches Pankreassystem: Erster Einsatz am Patienten

Supplement: Perspektiven der Diabetologie

Künstliches Pankreassystem: Erster Einsatz am Patienten

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [14]

Zylka-Menhorn, Vera

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Zum ersten Mal weltweit wurde am Dresdner Universitätsklinikum einem Patienten mit Diabetes Typ 1 ein künstliches Pankreassystem eingepflanzt, in dem Inselzellen wie in der Bauchspeicheldrüse das lebenswichtige Insulin produzieren. Rund ein Jahr blieb der kleine Bio-Reaktor in Form einer flachen Dose im Körper des Patienten. Seine Besonderheit: Das künstliche Pankreassystem – entwickelt von einem israelischen Unternehmen – macht die bei Organ- und Gewebetransplantationen übliche Immunsuppression überflüssig. Denn es schützt die Spenderzellen vor Angriffen des Immunsystems, lässt jedoch umgekehrt das Insulin in den Körper gelangen.

Das „Ei des Kolumbus“ sei dabei die kontrollierte Sauerstoffversorgung der Zellen, die dadurch aktiv bleiben, berichtet Forschungsleiter Prof. Dr. med. Stefan R. Bornstein, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik III am Dresdner Uniklinikum (PNAS 2013; doi:10.1073/pnas.1317561110). Allerdings bedürfe es weiterer Studien, bevor eine größere Zahl an Patienten von dieser innovativen Therapie profitieren kann. „Wir schätzen, dass das System in fünf Jahren eine Therapieoption in der Behandlung des Diabetes sein wird“, so Bornstein.

Für den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Andrew V. Schally von der Miller School of Medicine der University of Miami, der im Forschungsverbund mit den Dresdnern steht, hat dieser Erfolg „historische Bedeutung“. Denn für Menschen mit Typ-1-Diabetes, die trotz medikamentöser Therapie an lebensbedrohlichen Schwankungen der Glukosekonzentration leiden, stellen die Pankreas- sowie die Inselzell-Transplantation derzeit die einzigen Möglichkeiten dar, um die insulinproduzierenden Betazellen zu ersetzen. Beide Optionen verbessern die Stoffwechselsituation der Betroffenen. Doch die dauerhafte Einnahme von Immunsuppressiva macht anfällig für Infektionen oder andere mögliche Nebenwirkungen wie ein erhöhtes Krebsrisiko. Darum kam die Behandlung bislang nur für Menschen in Betracht, die spezielle medizinische Kriterien erfüllen. zyl

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