ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Grippeimpfstoffe: Ausschreibungen sorgten für Engpässe

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Grippeimpfstoffe: Ausschreibungen sorgten für Engpässe

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2184

Richter-Kuhlmann, Eva

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Erneut gab es in einigen Ländern Lieferverzögerungen.

Endlich können nun auch die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in Sachsen, Thüringen und Bremen ihren Patienten Grippeschutzimpfungen verabreichen. Der Hersteller Novartis, mit dem es in diesen Ländern Rabattverträge für Kassenpatienten gibt, hat inzwischen mit Verzögerung geliefert. Obwohl eigentlich schon im September beziehungsweise Anfang Oktober gegen die saisonale Influenza hätte geimpft werden können, gab es in diesen Bundesländern bis in den Oktober hinein Irritationen über den Liefertermin der Novartis-Impfstoffe für die Grippesaison 2013/2014. Der Grund: Begripal®, Fluad® und Optaflu® waren verspätet von den italienischen Behörden freigegeben worden.

„Erst am 8. Oktober teilte uns die AOK-Plus mit, dass Novartis alle vorbestellten Mengen des Großhandels und der Direktbestellungen der Apotheken in Sachsen und Thüringen ausliefert und auch die Neubestellungen zur Auslieferung gebracht werden“, erklärte Dr. Ingo Mohn, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Sachsen dem Deutschen Ärzteblatt.

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Lieferung erst Mitte Oktober

Obwohl die Impfkampagne gegen die saisonale Grippe jetzt auch in Sachsen läuft, hält die KV die Ausschreibung von Influenzaimpfstoffen für den falschen Weg, die steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu dämpfen. „Es ist nicht hinzunehmen, dass durch Lieferverzögerungen, zumindest gefühlte Benachteiligungen von gesetzlich krankenversicherten Patienten entstehen und durch eine allgemeine Verunsicherung die Durchimpfungsrate leidet“, kritisierte Dr. med. Klaus Heckemann, Vorstandsvorsitzender der KV Sachsen. Zugleich bedauert die KV, dass ihre Bitte um eine Übergangsregelung für September/Anfang Oktober von den Kassen abgelehnt wurde. Dafür eingesetzt hatte sich die KV vorausschauend bereits Ende Juli bei drohender Nichtlieferfähigkeit.

Unzufriedenheit herrscht auch bei der KV Thüringen: „Rabattverträge bei saisonalen Impfstoffen sind nicht zielführend“, sagte KV-Sprecher Matthias Zenker. Durch die Verzögerungen zu Beginn der Impfsaison sei in einigen Praxen Unruhe aufgekommen.

Kritik an Rabattverträgen

Zum Hintergrund: Seit der Einführung des Arznei­mittel­markt­neuordnungs­gesetzes (AMNOG) können gesetzliche Krankenkassen Influenzaimpfstoffe per Ausschreibung auswählen. Versicherte erhalten dann ausschließlich den Impfstoff des Anbieters, mit dem ein Vertrag geschlossen wurde. Beschränken sich die Kassen in einem Versorgungsgebiet auf nur wenige oder sogar nur auf einen einzigen Anbieter – wie in Sachsen, Thüringen und Bremen – lassen sich Lieferengpässe nicht mehr kompensieren. Dies war auch bereits in der vergangenen Grippesaison geschehen.

Neben dem Risiko von Versorgungsengpässen kritisieren einige Ärztinnen und Ärzte zudem, dass sie nicht mehr ausreichend auf Qualitäts- und Wirksamkeitsunterschiede eingehen können, die beim Impfen von speziellen Patientengruppen, wie Senioren oder Kindern, eine Rolle spielen. Trotz der Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, in dem Lieferengpässe auftraten, und der laut gewordenen Kritik an den Rabattverträgen setzten in dieser Saison jedoch wieder viele Krankenkassen auf diese Sparmaßnahme.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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