ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013NAV-Virchow-Bund: Stürmische Zeiten

POLITIK

NAV-Virchow-Bund: Stürmische Zeiten

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2178 / B-1920 / C-1864

Osterloh, Falk

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Sektionierung von Haus- und Fachärzten, Facharztpauschale und Finanzierung der ambulanten Weiterbildung – bei der Haupt­ver­samm­lung des NAV-Virchow-Bundes wurden viele innerärztliche Streitthemen diskutiert.

„Man muss den Nachholbedarf der Facharztgruppen in der Grundversorgung auch einmal anerkennen.“ Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Foto: Schoelzel – NAV-Virchow-Bund
„Man muss den Nachholbedarf der Facharztgruppen in der Grundversorgung auch einmal anerkennen.“ Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes. Foto: Schoelzel – NAV-Virchow-Bund

Für Dr. med. Dirk Heinrich, Bundesvorsitzender des NAV-Virchow-Bundes, war der 8. November ein aufreibender Tag. Während in Berlin-Mitte die Bundeshauptversammlung seines Verbandes begann, saß er einige Kilometer entfernt in Berlin-Tiergarten in den Räumen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Auf einer Sonder-Ver­tre­ter­ver­samm­lung, der Heinrich als Vorsitzender der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hamburg angehörte, diskutierten die Delegierten heftig über eine Aufteilung der KBV in einen haus- und einen fachärztlichen Bereich (siehe Artikel in diesem Heft). Als Heinrich am späten Nachmittag beim NAV eintraf, berichtete er kurz: Die Ver­tre­ter­ver­samm­lung habe sich mit großer Mehrheit gegen eine Sektionierung von Haus- und Fachärzten ausgesprochen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte Heinrich. Gerade der NAV-Virchow-Bund stehe schließlich für die Einigkeit der Ärzteschaft.

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Auch zu weiteren Streitthemen innerhalb der Ärzteschaft positionierte sich Heinrich. So kritisierte er die Reaktion mancher Facharztgruppen auf die vor kurzem erfolgte Einführung einer Facharztpauschale für die Grundversorgung. Denn in der Folge hätten sich viele Arztgruppen mit einem Mal als Grundversorger eingestuft, ohne es wirklich zu sein. „Man muss den Nachholbedarf anderer Facharztgruppen auch einmal anerkennen“, forderte der NAV-Vorsitzende.

Zu dem Streit, welche ärztlichen Verbände künftig Tarifverträge in der ambulanten Weiterbildung abschließen sollen, erklärte Heinrich, der NAV könne sich vorstellen, dass es einen tragfähigen Kompromiss geben werde. Dieser könne so aussehen, dass die die niedergelassenen Ärzte vertretenden Verbände und die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine Arbeitsgemeinschaft gründeten, die als Arbeitgebervertreter aufträten. Auf dem diesjährigen Deutschen Ärztetag in Hannover war ein entsprechender Beschluss gefasst worden. Vor kurzem hatte jedoch der Hartmannbund erklärt, nicht als Arbeitgebervertretung auftreten zu wollen, mit der der Marburger Bund über die Gehälter von Weiterbildungsassistenten im ambulanten Bereich verhandelt.

„Populistischer Aktionismus“

Die NAV-Delegierten kritisierten den Vorschlag von Union und SPD, Kassenärztliche Vereinigungen zu einer Terminvergabe bei Fachärzten innerhalb von vier Wochen zu verpflichten. Dies sei „populistischer Aktionismus in Reinkultur“, heißt es in einem Beschluss. Denn nur ein Fünftel der Patienten warte derzeit mehr als drei Wochen auf einen Facharzttermin. „Dieser Politikvorstoß ist ein reines Placebo, nicht umsetzbar und geht an der Versorgungsrealität vorbei“, urteilten die Delegierten.

Zudem forderte der Verband die künftige Bundesregierung auf, auf die Wünsche junger Ärzte einzugehen, um auf diese Weise den Arztberuf attraktiver zu machen. „Junge Mediziner fordern Teilzeitarbeitsmodelle und wollen sich im Team austauschen. Das geht heute gut in Kooperationen“, heißt es in einem Beschluss. Diese müsse der Gesetzgeber deshalb durch Förderung von Berufsausübungsgemeinschaften sowie die Unterstützung der Vernetzung von Einzel- und Gemeinschaftspraxen weiter stärken.

Die gesetzlichen Krankenkassen forderte der Verband auf, sich stärker auf die Qualität als auf die Preise von Leistungen zu konzentrieren, zum Beispiel durch qualitätsbezogene Vergütungssysteme. Damit ein Qualitätswettbewerb etabliert werden könne, müsse zudem der GKV-Spitzenverband durch Verbände der Krankenkassenarten abgelöst werden, mit denen kassenartenspezifische Verträge abgeschlossen werden könnten.

Falk Osterloh

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