ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Okuläre Toxoplasmose: Neuer, prognostisch ungünstiger Serotyp dominiert

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Okuläre Toxoplasmose: Neuer, prognostisch ungünstiger Serotyp dominiert

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2208 / B-1940 / C-1883

Gerste, Ronald D.

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Die okuläre Toxoplasmose (OT) ist weltweit die wichtigste Ursache einer posterioren Uveitis, einer Entzündung der hinteren Augenabschnitte, die zu starkem Sehverlust führen kann. Das Risiko einer Augenbeteiligung nach einer Infektion mit Toxoplasma gondii ist geografisch unterschiedlich (Europa: 2 %, Brasilien: 18 %). In einer aktuell publizierten Studie sind Serum und Kammerwasserproben von 170 deutschen Uveitis-Patienten mit modernen serologischen Methoden analysiert worden. 114 Patienten hatten eine OT, die übrigen 56 hatten Uveitiden anderer Ursachen. Bei 44 % der Serumproben von OT-Patienten wurde ein neuer Serotyp entdeckt: Im ELISA fand man keine Antikörper gegen die für die Serotypisierung verwendeten Peptidantigene (Serotyp: „nicht reaktiv“, NR). Bei Patienten mit seropositiver, nicht mit OT assoziierter Uveitis wurde der Serotyp „NR“ nur zu 7 Prozent gefunden.

Der neue Serotyp ist mit ungünstigem Verlauf einer Uveitis assoziiert: Für ein Uveitisrezidiv betrug der Risikofaktor 2,92; die intraokularen Entzündungszeichen waren besonders schwer, eine Läsionsgröße von mehr als zwei Papillendurchmessern war mit 53 % in der NR-Gruppe häufiger als bei allen anderen T. gondii-Serotypen. NR-Patienten hatten eine zehnmal so hohe Wahrscheinlichkeit für eine OT als Patienten anderer Serotypen.

Fazit: Bei deutschen Patienten mit okulärer Toxoplasmose dominiert ein neuer Toxoplasma-gondii-Serotyp. Er ist mit einem erhöhten Uveitisrezidivrisiko assoziiert. Prof. Dr. med. Uwe Pleyer, Augenklinik der Charité Berlin, kommentiert: „Die Serotypisierung ermöglicht, gefährdete Patienten zu identifizieren. Es gilt, diese Menschen mit möglichen Zeichen und Symptomen einer beginnenden okulären Toxoplasmose vertraut zu machen, ihnen zu regelmäßigen augenärztlichen Untersuchungen zu raten und sie vielleicht sogar prophylaktisch zu behandeln.“ Am weitesten verbreitet in der Therapie der OT sei die Kombination Pyrimethamin, Sulfadiazin und Folinsäure. Dr. med. Ronald D. Gerste

Shobab L, et al.: Toxoplasma serotype is associated with development of ocular toxoplasmosis. Journal of Infectious Diseases 2013; 208: 1520–8. MEDLINE

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