ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Frage der Woche an . . . Dr. med. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

ÄRZTESTELLEN: Frage der Woche

Frage der Woche an . . . Dr. med. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalt

Der Universitätsmedizin in Halle drohen harte Einschnitte. Was bedeutet das für die Stadt und das Land Sachsen-Anhalt?

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): [4]

Hibbeler, Birgit

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Das Land Sachsen-Anhalt sieht sich nicht mehr dazu in der Lage, zwei hochschulmedizinische Standorte, Magdeburg und Halle, zu finanzieren. In einem Gutachten schlug der Wissenschaftsrat im Juli vor, die Universitätsmedizin Halle zu erhalten – allerdings nur in abgespeckter Form. Die Vorklinik sollte geschlossen werden, alle Studierenden müssten den vorklinischen Abschnitt in Magdeburg absolvieren. Wissenschaftsminister Hartmut Möllring will bis Ende des Jahres Vorschläge vorlegen.

Der Universitätsmedizin in Halle drohen harte Einschnitte. Was bedeutet das für die Stadt und das Land Sachsen-Anhalt?

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Heinemann-Meerz: Wir haben in Sachsen-Anhalt schon heute mit dem Ärztemangel zu kämpfen. Deshalb sind aus meiner Sicht beide universitätsmedizinischen Standorte, also Halle und Magdeburg, für das Land essenziell. Wenn wir hier weniger Medizinstudenten ausbilden, würde uns ein kurzfristiger Spareffekt teuer zu stehen kommen. Eine solche Maßnahme ist eben nicht nachhaltig. Denn dann haben wir später weniger Absolventen, die in der Region arbeiten. Wir wissen: Wer einmal das Mikroklima und die Lebensqualität hier vor Ort erlebt hat, lernt das durchaus zu schätzen. Derzeit bleiben mehr als 60 Prozent der Studierenden auch nach dem Examen in Sachsen-Anhalt. Das sehen wir an den Anmeldungen bei der Ärztekammer. Und diese Ärzte brauchen wir dringend. Ansonsten können wir kaum mit Zuzug von Ärzten rechnen. Wir müssen uns unsere Ärzte schon selbst ausbilden.

Für die Stadt Halle ist es natürlich auch ein wirtschaftlicher Faktor. An der Universitätsmedizin hängen mehrere Tausend Arbeitsplätze. Indirekt, etwa bei Zulieferfirmen oder Caterern, sind es noch viel mehr. Außerdem hätten die Einschnitte auch Auswirkungen auf die Versorgung. Universitätskliniken haben neben Forschung und Lehre auch den Auftrag, die Versorgung zum Beispiel von komplexen Krankheitsverläufen oder seltenen Erkrankungen sicherzustellen. Das wäre dann nicht mehr gewährleistet. Grundsätzlich ist es eine politische Entscheidung, wie viel man in die Universitätsmedizin und die künftige Versorgung investieren will. Dabei sollten die Verantwortlichen bedenken: Wer heute übermäßig spart, dem fällt das vielleicht in einigen Jahren auf die Füße.

Zu überdenken ist meiner Meinung nach auch das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern im Hochschulbereich. Für ein armes Land wie Sachsen-Anhalt ist das problematisch. Der Bund müsste hier eine stärkere finanzielle Verantwortung übernehmen. Auch ein Zuschlag für Aus- und Weiterbildung bei den DRGs ist notwendig. BH

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