ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013HIV: Neuinfektionen in Deutschland auf hohem Niveau

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HIV: Neuinfektionen in Deutschland auf hohem Niveau

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2174 / B-1916 / C-1860

EB

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Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts lebten in Deutschland Ende 2012 etwa 78 000 Menschen mit einer HIV-Infektion. In der Altersgruppe der über 40-Jährigen hat sich die Zahl der HIV-Infizierten seit Anfang der 1990er Jahre (Zeitpunkt der Einführung der antiretroviralen Therapie) fast verfünffacht. Gleichzeitig bleibt die Zahl der HIV-Neuinfektionen mit 3 400 unverändert auf hohem Niveau. Darunter sind 74 Prozent Männer, die Sex mit Männern haben. 270 Männer (acht Prozent) und 360 Frauen (elf Prozent) haben sich auf heterosexuellem Weg infiziert; sechs Prozent sind auf intravenösen Drogenkonsum zurückzuführen.

Anders als bisher wird das Robert-Koch-Institut in Zukunft die HIV-Inzidenz und -Prävalenz nicht mehr für das laufende Jahr schätzen, sondern für das jeweilige Vorjahr. Da dann alle Meldungen von bestätigten HIV-Neudiagnosen zur Verfügung stehen, führe dies zu einer stabileren Schätzung, so das RKI (Epidemiologisches Bulletin, Ausgabe 45/2013).

Für die mathematische Modellierung würden neben der Anzahl der HIV-Diagnosen im Zeitverlauf auch die bereits bestehenden opportunistischen Erkrankungen und die Menge der CD4-Zellen im Blut berücksichtigt, so dass eine Einschätzung der Dauer zwischen HIV-Infektion und HIV-Diagnose (Progressionszeit) möglich sei. Ganz grob könne man sagen, dass etwa ein Drittel der HIV-Neuinfektionen bereits sehr früh – im ersten Jahr nach der Infektion – erkannt wird. Die übrigen zwei Drittel würden zum Teil erst dann diagnostiziert, wenn Symptome einer opportunistischen Erkrankung oder gesundheitliche Probleme aufgrund eines Immundefektes aufgetreten sind.

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Die Schwierigkeit einer Schätzung der HIV-Prävalenz und HIV-Inzidenz werde durch die geschätzte Zahl von etwa 14 000 noch nicht diagnostizierten HIV-Fällen in Deutschland deutlich, betont das RKI. Bei einer Zahl von ungefähr 3 400 HIV-Neuinfektionen pro Jahr bedeute dies, dass die durchschnittliche Dauer zwischen HIV-Infektion und HIV-Diagnose etwa fünf Jahre beträgt.

„Dass diese Schätzung realistisch ist, zeigt sich beim Anteil jener HIV-Diagnosen, die erst im sehr fortgeschrittenen Stadium einer HIV-Infektion bei Personen mit einem CD4-Wert von weniger als 200 Helferzellen erfolgen“, heißt es. Bei 50 Prozent der HIV-Infizierten dauere diese Zeitspanne neun Jahre. Der Anteil dieser späteren Diagnosen könnte durch häufigere Testung von Menschen mit Infektionsrisiken auf HIV reduziert werden. EB

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