ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Untere Atemwegsinfektionen: CRP erhöht den Vorhersagewert für eine Pneumonie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Untere Atemwegsinfektionen: CRP erhöht den Vorhersagewert für eine Pneumonie

Dtsch Arztebl 2013; 110(46): A-2208 / B-1940 / C-1883

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Differenzierung zwischen einer akuten Bronchitis und einer Pneumonie ist in der Praxis des Hausarztes teilweise schwierig: Nicht immer ist ein Thoraxröntgen möglich, aber das gesundheitliche Risiko eines Patienten mit nicht behandelter Pneumonie ist hoch. Die Frage, welchen diagnostischen Wert die Entzündungsparameter CRP und Procalcitonin haben, hat eine Gruppe aus dem europäischen GRACE-Konsortium zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen bei unteren Atemwegsinfektionen untersucht.

In die Analyse eingeschlossen wurden 2 820 Patienten aus zwölf Ländern, die wegen akuten Hustens den Hausarzt aufgesucht hatten (Durchschnittsalter 50 Jahre, 40 % männlich). Bei der ersten Visitation wurde zusätzlich zur klinischen Untersuchung Blut abgenommen zur Bestimmung des CRP und des Procalcitonins. Außerdem erfolgte ein Thoraxröntgen, meist binnen fünf Tagen nach dem Hausarztbesuch.

Der primäre Studienendpunkt war eine Pneumonie, die von Radiologen ohne Information über andere Patientendaten festgestellt wurde. Pneumonie wurde bei 5 % der Studienpopulation diagnostiziert. Am zuverlässigsten für die Vorhersage einer Pneumonie war die Symptomenkombination vermindertes, aber rasselndes Atemgeräusch bei der Auskultation, Kurzatmigkeit, Tachykardie (> 100/min), Fieber (≥ 37,8 Grad Celsius) und kein Schnupfen (Area under the curve [AUC] von 0,70; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,65–0,75). Die Hinzunahme des CRP-Wertes erhöhte die Zuverlässigkeit mit steigendem CRP; bei dem für die Vorhersage optimalen Schwellenwert des CRP von 30 mg/l ergab sich eine Erhöhung der AUC von 0,70 auf 0,77 (95-%-KI 0,73–0,81) und bewirkte bei 28 % der bezüglich ihres Risikos zuvor falsch klassifizierten Patienten die korrekte Einstufung in niedriges, mittleres oder hohes Risiko. Die Pneumonieprävalenz betrug in der Hochrisikogruppe 31 %, in der Niedrigrisikogruppe weniger als 2,5 %. Die Procalcitoninwerte hatten für die korrekte Zuordnung keine zusätzliche Bedeutung.

Fazit: Um die Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, dass ein Patient mit einer akuten unteren Atemwegsinfektion und weiteren Symptomen einer Lungenentzündung eine Pneumonie hat, eignen sich in der Hausarztpraxis am besten die klinischen Zeichen. Die Zuverlässigkeit anhand der typischen Symptome lässt sich mit dem CRP (Schwellenwert ab 30 mg/l) erhöhen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

van Vugt SF, Broekhuizen BD, Lammens C, et al.: Use of serum C reactive protein and procalcitonin concentrations in addition to symptoms and signs to predict pneumonia in patients presenting to primary care with cough: diagnostic study. BMJ 2013; 346: f2450 doi:10.1136/bmj.f2450 MEDLINE

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