ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2013Arztbrief: Was ich vermisst habe
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Vielen Aussagen in Ihrem Artikel kann ich uneingeschränkt zustimmen . . . Einige Punkte möchte ich kommentieren. Als internistischer Krankenhausarzt beziehe ich mich auf den Entlassungsbrief bei internistischen Patienten.

Diagnosen: Eine sinnvolle Auswahl und pathophysiologische Gliederung ist zu fordern. Dementgegen steht die immer mehr geübte Gewohnheit, unter Zeitdruck aus alten Briefen per „copy and paste“ Diagnosenlisten zu übernehmen, deren Übersichtlichkeit stark zu wünschen übriglässt. Nicht erwähnt ist der Einfluss, den die DRG-Orientierung auf die Arztbriefe und auch Diagnosenlisten hat, damit der PCL-Level stimmt und der MDK keine Kritikpunkte im Brief findet. Das hatte zum Beispiel dazu geführt, dass passagere Hypokaliämien als Diagnosen auftauchten, weil sie den Schweregrad des Falls beeinflussten.

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Bei der Therapieangabe ist man gut beraten, zu unterscheiden, ob es sich um eine Fortführung der Therapie oder eine eigene Empfehlung handelt. Beispiel: Eigene (neue) Therapieempfehlung nach einem akuten Koronarsyndrom und Fortführung einer immunsuppressiven Therapie aus anderer Ursache, die der kardiologische Spezialist gar nicht auf ihre Richtigkeit überprüfen kann.

Zusätzlich ist es immer hilfreich zu erkennen, was bei der Entlassung gegenüber der Therapie zum Aufnahmezeitpunkt geändert wurde. Nicht selten ärgern sich Niedergelassene darüber, dass eine gut eingeführte Therapie ohne Grund vom Krankenhaus geändert wurde.

Drei Dinge habe ich vermisst:

  • Kommunikation ist ein wechselseitiger Prozess. Es ist eine traditionelle Sichtweise, dass das Krankenhaus bei Entlassung einen ausführlichen und fundierten Arztbrief generieren sollte. Im internistischen Bereich mit einem vorwiegend geriatrischen Krankengut steht dem üblicherweise keine entsprechende Information in strukturierter Weise vonseiten der vorbehandelnden Praxis zur Verfügung (Es gibt Ausnahmen!). Vielmehr handelt es sich bei Entlassung um eine „Bringschuld“, bei Aufnahme um eine „Holschuld“ des Krankenhauses. In Zeiten zunehmender Zeitrestriktionen im Krankenhaus sollte dieses Thema zumindest reflektiert werden. Es wäre doch möglich, dass man auf Anfrage in der Praxis von dort einen strukturierten Bericht mit den notwendigen Daten bekommen könnte. Ob die elektronische Patientenkarte dieses Problem lösen wird, wird man sehen.
  • Ein guter Arztbrief kostet Arbeitszeit. Aus Sicht des Krankenhauses ist nur ein kurzer Arztbrief, der nicht viel Zeit kostet, ein „guter“ Arztbrief, weil Personal teuer ist. Wie viel Zeit darf dafür inklusive Korrekturen und Einholen verschiedener Unterschriften verbraucht werden? Dazu kommt, dass im Krankenhaus nicht mehr zwischen Anfängern und Erfahrenen unterschieden wird, weil nur noch Vollkräfte mit acht Stunden täglicher Arbeitszeit existieren . . .
  • Mehr Ausführungen hätte ich mir auch zu den juristischen Implikationen unserer Unterschriften (Assistent, Oberarzt, Chefarzt) gewünscht. Diese Seite wird in unseren Kreisen intensiv diskutiert. Bei uns erfolgt üblicherweise eine automatische Befundübernahme, auch von abteilungsfremden Untersuchern. Die Richtigkeit dieser Befunde kann im Detail nicht überprüft werden. „Haften“ die Briefunterschreiber auch für diese Befunde? Dürften die Briefschreiber diese Befunde in ihrem Sinn verändern etc.? Oder gilt die Unterschrift nur für Diagnose, Therapie und Epikrise, weil die Befunde erst im Anhang aufgeführt werden . . .

Dr. Claus Kirscheneder, 82065 Baierbrunn

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